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Jenaz
16.06.2021
16.06.2021 10:05 Uhr

Auf eine feinduftende Nachbarschaft

Karin Jost betreibt an der Hauptstrasse Jenaz seit März  den «Seifengarten».
Karin Jost betreibt an der Hauptstrasse Jenaz seit März den «Seifengarten». Bild: C. Imhof
Seit Anfang März gibt es in Jenaz einen Seifengarten. Das von Karin Jost geführte Lokal an der Hauptstrasse haucht einem schon länger freistehenden Gebäude und somit auch dem Dorfleben neues Leben ein. Die Exil-Bernerin sorgt mit ihrem Handwerk für angenehme Düfte und ist ein Mensch, der gerne auf andere zugeht.

Es ist ein geschichtsträchtiges Gebäude an der Hauptstrasse Jenaz, in dem sich Karin Jost mit ihrem Seifengarten eingerichtet hat. Vis-à-vis von der Spenglerei Adank führte in den 90-ern der Beck Hitz ein Geschäft, eine Weile war ein Velohändler drin und dann stand es für sehr lange Zeit leer. Jetzt erhalten die Räumlichkeiten eine Generalüberholung und durch den Seifenladen auch einen Treffpunkt zum Verweilen an der Hauptstrasse.

Faszination Kräuterkunde

«Durch den Umstand, dass ich selber auf alle Shampoos und Duschmittel reagiert habe, trieb es mich ursprünglich zu den Seifen hin. Als ich auf diese umgestellt habe, wurde es auch mit meiner Neurodermitis besser», erklärt Karin Jost ihre erste Berührung mit der Materie. Dass es der gelernten Biologie-Laborantin einmal wegen Seifen so «den Ärmel reinnehmen» würde, hätte sie selber nie gedacht. Eher zufällig habe sie irgendwann an einem Seifensiedkurs teilgenommen. Ab diesem Zeitpunkt sei es dann definitiv um sie geschehen gewesen. «Eine gewisse Faszination für Kräuterheilkunde und Aromatherapie ist bei mir familiär bedingt immer schon da gewesen, doch mit der Seifenproduktion konnte ich das angesammelte Wissen kombinieren, was mich total begeistert hat.»

Vielfältig ist das fein duftende Sortiment von Karin Jost. Bild: C. Imhof

Mit offenem Herzen durchs Leben

Anfang Jahr haben Karin Jost und ihr Mann Andy wegen Corona ihre Jobs verloren. Doch dies war für die Seifensiederin kein Grund zum Trübsal blasen. Im Gegenteil. «Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht, unsere Sachen gepackt und sind in die Gegend gezogen, in die wir uns schon lange verliebt haben.» Wenn sie jeweils durch die Chlus fahre, sei es jedes Mal wie ein Heimkommen. «Mein Mann hat dann noch spontan dafür gesorgt, dass wir am Tag der Wohnungsbesichtigung noch dieses Ladenlokal anschauen konnten und ich war sofort begeistert. Endlich konnte ich meine ganze Energie den Seifen widmen.» Für Jost ist es elementar, eine gute Nachbarschaft zu pflegen. «Ich bin ein Mensch, der sehr offen ist und gehe sehr gerne auf die Menschen zu.» Aus diesem Grund habe ich bereits sehr gute Freundschaften im Prättigau geschlossen.

Im August lädt Karin Jost in Jenaz zum Tag der offenen Tür. Bild: C. Imhof

Fokus Regionalität

Diese Offenheit beschere ihr neben neuen Freundschaften, auch immer wieder kreative Zusammenarbeiten. «Es ist mir wichtig, dass die Beschaffungswege kurz sind und dass ich, wenn es irgendwie möglich ist, die Bauern kenne, die zum Beispiel das Rapsöl anpflanzen.» Im Wortschatz von Jost existiert das Wort Konkurrenz nicht, da sie der Überzeugung sei, dass viel mehr erreicht werden könne, wenn man zusammenspanne und sich gegenseitig unterstütze. «Pläne habe ich noch so einige», sagt die Kreative. «Doch jetzt wird erstmals die Küche zu einer modernen Seifenmanufaktur umgebaut und wenn alles glatt läuft, feiern wir im August einen grossen Tag der offenen Tür.» Bereits jetzt ist der kleine Laden ein Bijoux, welches dem Dorfleben von Jenaz einen frischen und wohlduftenden Wind einhaucht. Der Seifengarten ist definitiv einen Besuch wert, denn hier wird von Umweltschutz, Regionalität und guter Nachbarschaft nicht nur gesprochen, sondern gezeigt, wie diese federleicht in die Tat umgesetzt werden kann.

C. Imhof