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05.01.2021

Wo kommt der Dreikönigskuchen her?

Wer wird König?
Wer wird König?
Morgen ist der 6. Januar. Der Dreikönigskuchen ist ein traditionelles Festtagsgebäck zum Dreikönigstag – die Geschichte dahinter plus das Rezept.

Der Dreikönigskuchen ist ein traditionelles Festtagsgebäck, das zum 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), dem Festtag der Heiligen Drei Könige, gebacken wird. Die Idee, diesen Tag der Epiphanie mit dem Dreikönigskuchen zu feiern, findet ihren Ursprung bei den Römern. Im Römischen Reich gab es einen Festtag, an dem der Ackergott Saturn geehrt wurde.

Zu seinen Ehren wurde ein Kuchen gegessen, der eine Bohne beinhaltete und derjenige, der sie fand, wurde als Bohnenkönig gefeiert. Dieses Fest fand später Anklang in anderen Ländern und passte gut zum Dreikönigstag. So wurde der römische Brauch mit dem christlichen Fest vereint.

Christliche Tradition

Als Heilige Drei Könige oder Weise aus dem Morgenland bezeichnet die christliche Tradition die in der Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums erwähnten „Sterndeuter“, die durch den Stern von Betlehem zu Jesus geführt wurden. Im Neuen Testament werden sie nicht als „Könige“ bezeichnet, auch gibt es keine Angabe über ihre Anzahl.

Diese Angaben entstammen einer umfangreichen Legendenbildung, die erst im späten 3. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die in der Westkirche verbreiteten Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden erstmals im 6. Jahrhundert erwähnt.

In anderen Sprachen heisst der Dreikönigskuchen:

  • englisch: King Cake oder King’s Cake
  • französisch: Galette des Rois
  • spanisch: Roscón de Reyes
  • portugiesisch: Bolo Rei

Schon im 16. Jahrhundert Königskuchen

Im Jahr 1561 gibt die Schrift des Johannes Böhm «Mores leges et ritus omnium gentium» die erste literarische Erwähnung des Brauchs, eine Bohne oder Münze in den Königskuchen (Honigkuchen) einzubacken.

Martin Lienharts Elsässisches Wörterbuch berichtet aus dem Jahre 1572 «noch werden die bonen im königküchen auff die heyligen dreykönigtag gefunden», und aus dem Jahr 1625: «uff den hl. Dreikönigstag pflegen sie Königskuchen zu backen und in einem iedwedern Kuchen steckt eine Bohne, und wer dan dieselbige bekompt, der wirdt für den König gehalten».

Der Brauch soll schon vor der Reformation verbreitet gewesen sein. In einem Düsseldorfer Kloster soll man ab 1607 die Bohne durch einen Kuchenpfennig abgelöst haben. Jacob Grimm bringt in seinem Wörterbuch den Königskuchen mit dem Auffahrtstag in Verbindung.

Die Rezepturen sind verschieden

Regional sind die Rezepturen sehr unterschiedlich, gemeinsam ist aber allen Dreikönigskuchen, dass eine getrocknete Bohne, eine Mandel, eine Münze oder ein anderer kleiner Gegenstand, heute oft eine kleine Figur in Form eines Königs oder eines Babys eingebacken wird.

Wer beim Essen auf diesen Glücksbringer stößt, ist für einen Tag König. Verschiedene Varianten des Kuchens sind heute vor allem in der Schweiz, Frankreich, England und Spanien, Mexiko und New Orleans verbreitet und werden zunehmend auch von Bäckereien in Deutschland angeboten.

Deutschland

Nach den Leitsätzen für feine Backwaren wird der Königskuchen aus Sandmasse mit kandierten Früchten hergestellt. Der altdeutsche Königskuchen wird aus besonders schwerer Sandmasse hergestellt, während der Königskuchen rheinischer Art zusätzlich noch in Blätterteig gewickelt gebacken wird.

Deutscher Dreikönigskuchen Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Der fast vergessene Brauch des Bohnenkönigs wurde in der Schweiz in den 1950er Jahren durch den Brotforscher Max Währen wiederbelebt und in der Richemont Fachschule kreiert und umgesetzt. Der Berner Versicherungsbeamte Max Währen (1919–2008) erhielt für die in seiner Freizeit betriebenen Forschungen in der Brot- und Gebäckkunde 1979 den Ehrendoktortitel der ETH Zürich.

In der Schweiz

In der Schweiz wird der Dreikönigskuchen aus süßem Hefeteig hergestellt, der zu Kugeln geformt, blütenförmig angeordnet und mit Mandelblättchen und Hagelzucker bestreut wird. Die meisten Schweizer backen ihren Dreikönigskuchen nicht selbst, sondern kaufen ihn samt goldener Papierkrone zum Aufsetzen im Supermarkt oder beim Bäcker. In diesen industriell gefertigten Dreikönigskuchen ist ein kleiner König aus Kunststoff eingebacken.

Königskuchen mit Papierkrone Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Ein Königskuchen auf einen Schweizer Haushalt

Der dazugehörige Dreikönigskuchen ist heute landesweit verbreitet und erfreut sich großer Beliebtheit.

Insgesamt dürften aktuell in der Schweiz jährlich gegen 1,5 Millionen Dreikönigskuchen verkauft werden. Damit käme rechnerisch auf jeden Haushalt ein Kuchen, wobei die Tendenz nach wie vor klar steigend ist. Kaum ein anderer Brauch ist in der Schweiz ähnlich weit verbreitet.

Auf den enormen Erfolg und die große Verbreitung deuten auch die Verkaufszahlen der Königsfigürchen hin. 2004 wurden gegen eine halbe Million Kunststoffkönige an die gewerblichen Bäckereien geliefert, wobei die Migros und der Coop über separate Figürchen Lieferanten verfügen. 

In Griechenland

In Griechenland wird eine Münze in den Vasilopita (wörtlich: Königs-Brot) genannten Dreikönigskuchen eingebacken, der traditionell am 1. Januar verzehrt wird.

Dreikönig in Griechenland Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

In Frankreich

In Frankreich gibt es zwei Arten von Kuchen. Im Norden Frankreichs isst man traditionell die Galette des Rois aus Blätterteig, häufig mit einer Marzipanfüllung.

Im Süden gibt es die Couronne oder den Gâteau des Rois, ähnlich der katalanischen Tortell, die aus Briocheteig hergestellt und mit kandierten Früchten gefüllt bzw. verziert wird. In jedem Kuchen wird eine Porzellanfigur versteckt.

Galette des Rois Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

In Portugal

In Portugal und in Brasilien ist der Dreikönigskuchen als Bolo-Rei bekannt. Er wird aus Hefefeinteig wie Brioche gefertigt und mit kandierten Früchten verziert. Nach Portugal kam der Bolo Rei im 19. Jahrhundert über Frankreich, er wird meist einer Krone ähnlich geformt (rund mit einer Öffnung in der Mitte).

Bolo Rei Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

In Spanien

Der Roscón de Reyes («Königskranz») ist ein traditioneller Kranzkuchen aus Hefeteig, der in Spanien ab Weihnachten für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken wird. Es gibt ihn ohne Füllung, mit Schlagsahne, Trüffelfüllung, Puddingcreme oder Cabello de ángel.

Darin versteckt sind jeweils ein Porzellan Figürchen und eine trockene Bohne, die keinesfalls verzehrt werden darf.

Die Tradition besagt, dass derjenige, der die Bohne in seinem Kuchenstück findet, den Kuchen für alle Gäste bezahlen muss. Andererseits wird derjenige, der das Glück hat, die kleine Porzellanfigur zu finden, von allen zum «König» gekrönt. Der Kranzkuchen ist verziert mit kandierten Früchten wie Orangenscheiben, roten und grünen Kirschen.

In Katalonien kennt man dasselbe Brauchtum und einen sehr ähnlichen Kuchen als Tortell de Reis («Königskuchen»). Gefüllt wird er u. a. mit Marzipan, Cabello de ángel oder Schlagsahne.

Roscon de Reyes Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

In Mexiko

Die Tradition der Rosca de Reyes («Königskranz») wurde in Mexiko im 16. Jahrhundert von Spanien eingeführt. Der Kuchen wird aus Hefeteig und normalerweise ohne Füllung, nur für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken. Der Kranzkuchen ist verziert mit kandierten Wüstenfrüchten wie Datteln, Feigen.

Darin versteckt sind jeweils, nach Wahl, mehrere Porzellan- oder Keramikfigürchen.

Die Tradition besagt, dass derjenige, der ein Porzellan Kind findet, eine Nachfolge zum Fest machen und ebenfalls Tamales für alle Gäste backen muss. Das Fest wird dann am 2. Februar, der Fiesta de la Candelaria (Mariä Lichtmess), gefeiert.

Roscon de Reyes Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Louisiana

Die Tradition des King Cake in Louisiana und insbesondere in New Orleans wurde von französischen Einwanderern begründet und reicht ins 19. Jahrhundert zurück.

Diese Einwanderer brachten sowohl die nordfranzösische Galette des Rois aus Blätterteig mit Marzipanfüllung (heute als French King Cake bekannt) als auch die südfranzösische Variante des bunt dekorierten Hefeteigrings (heute als King Cake bekannt) nach New Orleans, wo beide Versionen bis heute existieren. Gemeinsam haben beide Sorten, dass eine kleine Babyfigur aus Plastik, die das neugeborene Christuskind symbolisiert, im Kuchen versteckt wird (früher wurden Nüsse, Bohnen, Erbsen oder Münzen benutzt). Der Finder ist der König oder die Königin des Tages und muss die nächste King-Cake-Party ausrichten.

King Cake Louisiana Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Die Farben der Zuckerstreusel sind symbolisch

Der ringförmige King Cake, aus Brioche-Teig oder auch dänischem Plunder-Teig, wird in der Mardi-Gras-Season oder Carneval Season, die in New Orleans vom Dreikönigstag (6. Januar) bis Fasnachtsdienstag dauert, gebacken und auf King-Cake-Parties verzehrt.

Die Kuchen sind mit Zuckerguss und bunten Zuckerstreuseln in den traditionellen Farben des Mardi Gras, Grün, Lila und Gold, verziert. Die Farben stehen für Gerechtigkeit, Treue und Macht und erinnern an die Juwelen in den Kronen der weisen Könige, die das Jesuskind aufsuchten.

Wurden die Kuchen früher eher zuhause gebacken, zählen sie seit den 1950er Jahren zum Angebot von Bäckereien und Supermärkten und werden in großer Zahl verkauft. Seit den 1980er Jahren existiert der früher meist ungefüllte oder nur mit Zimt gewürzte King Cake in vielen Varianten mit verschiedenen Füllungen, wie beispielsweise 

Cream Cheese and Apple, Triple Chocolate oder Vodka und wird von New Orleans in viele andere Bundesstaaten der USA und darüber hinaus exportiert.

Ende der 1980er Jahre stieß die Spezialität zunehmend auf Interesse bei Journalisten, die über den King Cake in überregionalen Zeitungen berichteten, was die Nachfrage weiter wachsen ließ.

Rezept

Zutaten für acht Personen

500 g Mehl
1.5 TL Salz
3 EL Zucker
0.5 Würfel Hefe (ca. 20 g)
60 g Butter, weich
1 Bio-Zitrone
4 EL Sultaninen
3 dl Milch

 

Und so wirds gemacht

  • Mehl, Salz und Zucker in einer Schüssel mischen. Hefe zerbröckeln, daruntermischen.
  • Butter in Würfel schneiden, beigeben. Von der Zitrone die Hälfte der Schale dazureiben. Sultaninen und Milch beigeben, mischen, ca. 10 Min. zu einem weichen, glatten Teig kneten. Zugedeckt bei Raumtemperatur ca. 2 Std. aufs Doppelte aufgehen lassen.
  • Formen:
  • 8 Portionen von je ca. 80 g abwägen, Kugeln formen. 1 König oder 1 Mandel in eine der Kugeln stecken. Aus dem restlichen Teig eine grosse Kugel formen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, die kleinen Kugeln gleichmässig darum herum verteilen, zugedeckt bei Raumtemperatur nochmals ca. 30 Min. aufgehen lassen.
  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Ei verklopfen, Kugeln damit bestreichen, Hagelzucker darüberstreuen.
  • Backen:
  • ca. 30 Min. in der unteren Hälfte des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens. Herausnehmen, auf einem Gitter auskühlen.

Quelle: Betty Bossi

Patricia Rutz, Linth24