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Furna
06.09.2022

«Wenn’s möglich ist, soll man’s machen»

Suzanne und John Frencken tun alles für das Wohl ihrer Gäste.
Suzanne und John Frencken tun alles für das Wohl ihrer Gäste. Bild: C. Imhof
Seit 2009 bewirtschaften Suzanne und John Frencken das Berggasthaus Hochwang in Furna. Am heutigen Samstag wird dort wieder mal gefeiert, denn die Countryband «Western wings» lädt zum Linedance ein. Auch wenn das Geschäft seit Corona boomt, unternimmt das Paar mit holländischen Wurzeln viel, dass sich die Gäste bei ihnen auf 1420 Metern über Meer wohlfühlen.

Es gibt wenige Restaurants, die von so viel Ruhe umgeben sind, wie das «Hochwang» in Furna. Selbst nach 13 Jahren auf dem Berg liebt John Frencken es, hier oben zu sein. «Das Panorama ist schon eindrücklich. Wir sehen hier 24 km breit und 54 km in die Tiefe. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich hier auf der Terrasse meinen Kaffee trinken und zudem diese Natur anschauen kann. Hier fühle ich mich sehr wohl und geborgen.»

Zufällig im Prättigau

Seine Frau Suzanne hat 1989 erstmals in der Schweiz gearbeitet. Genauer hat es sie in das alte Vereina-Hotel nach Klosters verschlagen, wo sie im Winter jeweils gearbeitet hat. Im Sommer sei sie dann jeweils wieder zurück nach Holland und habe dort im eigenen Restaurant am Meer gearbeitet, sagt Suzanne. «Nach vielen Jahren haben wir uns entschieden, etwas in der Region zu suchen. So haben wir uns um die 30 verschiedene Gasthäuser angeschaut, bis wir hier in Furna fündig geworden sind.» Beim Besichtigen des grossen Gasthauses wird klar, dass die Gastgeber viel Wert auf die Einrichtung ihres Bijous legen. Neben dem Kochen sei seine Frau auch beim Dekorieren sehr talentiert, sagt John. «Inspiriert durch das alte Vereina-Hotel in Klosters, hat sie sich sehr viel Zeit genommen und hier ein Ambiente erschaffen, welches die Leute zum Verweilen einlädt und zugleich alle willkommen heisst. Ums Haus rum ist hier Natur pur und drum darf es hier ruhig auch ein bisschen urchig und heimelig sein.» Dem Wirtepaar ist es wichtig, sich mit dem Dorf gut zu verstehen. Aus diesem Grund kaufen sie laut Suzanne jegliches Fleisch und auch andere Produkte von lokalen Bauern. «Es ist für uns wichtig zu wissen, woher das Tier kommt und wie es gehalten wurde. Zudem kaufen wir immer ganze Tiere und versuchen alles zu verwerten, was einen, kreativ werden lässt.» Aktuell während der Jagd könne sie noch nicht genau abschätzen, wann es auf Hochwang Wild gebe, doch sie drücke den lokalen Jägern schon mal kräftig die Daumen.

Vom Zelt zum Gaden

Neben dem ruhigen Platz inklusive Jacuzzi hinter dem Haus, den Räumen voller Atmosphäre und der sonnendurchfluteten Terrasse ist es vor allem die Konzerthalle, die Gäste ins «Hochwang» lockt. Mit viel Eigenleistung haben die Frenckens dort aus einem alten «Gaden», der als Lagerfläche von den Vorgängern benutzt wurde, ein kleines, aber feines Konzertlokal gebaut, in dem rund 100 Musikfans Platz finden. Damit heute im ehemaligen Stall Ländler-, Jazz-, Blues-, Schlager- oder Countrybands auftreten können, brauchte es laut John aber noch die Miete eines Zeltes. «Eine Zürcher Firma hatte vor sieben Jahren einen Grossanlass bei uns, woraufhin wir ein Zelt bereitstellen mussten. Da das Anmieten von solchen immer sehr kostenintensiv ist, entschieden wir uns dafür, das Zelt noch ein wenig länger zu behalten und nach dem Event selber noch ein Fest mit Musik zu organisieren. Das hat dann sehr viel positive Resonanz hervorgerufen, und anstatt regelmässig ein Zelt anzumieten, haben wir dann damit begonnen, den Gaden umzubauen. Das ist ja wirklich perfekt nebendran, und auch wenn es viel Geld und Mühe gekostet hat, sehe ich regelmässig, wie viel Freude die Leute daran haben. Es ist wirklich so: Wenn’s möglich ist, sollte man’s machen und nicht zu viel daran rumstudieren.» Einfacher mache das Ganze die Unterstützung durch die jahrelangen Sponsoren, die Graubündner Kantonalbank, die Allianz oder auch Sonnenbräu, denen sie zu grossem Dank verpflichtet seien.

Wiederholungstäter aus aller Welt

Für John und Suzanne haben sich alle Träume erfüllt und sie sind froh, 365 Tage im Jahr ihre Gäste verwöhnen zu können. «Es sind eigentlich drei Dinge, die mich sehr glücklich machen: die Musik, die Natur und gutes Essen. Beim Essen habe ich Fuchs natürlich mit Suzanne den Sechser im Lotto gewonnen, so viel Natur pur wie hier gibt’s an wenigen anderen Orten, und wenn die Gäste hier zufrieden tanzen zu Livemusik, sind wir beide sehr glücklich», sagt John lächelnd. Es gebe bei ihnen viele Gäste, die über Jahre hinweg immer wieder kämen, die von ihm so benannten «Wiederholungstäter». «Auch nach Corona kommen die Leute wieder und nicht nur aus Graubünden, sondern viele sind aus dem St. Gallischen, dem Jura, Zürich oder sogar aus dem Ausland. Wir haben hier Gäste, die bereits zum 21. Mal zu uns in die Ferien kommen. Das zeigt doch, dass wir ein paar Sachen richtig machen.» Heute Abend gibt es wieder mal die Möglichkeit, aus Erst-Wiederholungstäter zu machen, denn die Konzertreihe, die jeweils vom April bis September stattfindet, findet im 2022 zum letzten Mal statt. Es ist noch schwierig, bei so einem Geheimtipp abschliessende Worte zu finden, doch ich hoffe und wünsche es den beiden freundlichen Beizern, dass ihr Geheimtipp irgendwie geheim bleibt, es sich aber für sie trotzdem auszahlt, mit so viel Herzblut den Gästen aus der ganzen Welt einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen.

Bild: C. Imhof
Christian Imhof