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Fideris
28.07.2021
29.07.2021 09:33 Uhr

In den Heubergen gehts mit Solarofen heiss her

Das Team des Vereins Solarstart vor seinem selbstgebauten  Lytefire-Solar-Pizzaofen.
Das Team des Vereins Solarstart vor seinem selbstgebauten Lytefire-Solar-Pizzaofen. Bild: M. Rominger
Bis und mit 2. Oktober 2021 findet jedes zweite Wochenende ein Pizzaplausch unter Einsatz des Solarofens Lyte-fire vor dem Berghaus Arflina statt. Neugierigen wird spielerisch beigebracht, wie der selbstgebaute Ofen, der von der Sonne angeheizt wird, funktioniert. Wie simpel die Idee des Solarofens ist und wer dahintersteckt, lest Ihr hier.

Es war eine spontane Aktion, die Solardays in den Fideriser Heubergen am letzten Samstag, 24. Juli 2021, zu besuchen. Das Wetter spielte morgens nicht mit. Der Event wurde telefonisch abgesagt. Doch dann, kurz vor 11 Uhr bekam ich ein Telefon, dass es doch noch genügend Sonnenschein gibt, um damit eine Pizza zu backen. Auf in die Heuberge!

Spieglein, Spieglein …

Eingebettet zwischen den Gipfeln liegt das Berghaus «Arflina», und davor steht ein riesiger Ofen mit lauter Spiegeln. «Das soll ein Ofen sein?», frage ich mich beim ersten Anblick. Doch nach kurzer Zeit wird sofort klar, wie einfach dieser Ofen funktioniert. Die Sonne scheint in die 29 Spiegel, diese wiederum lassen das Licht gebündelt in das Fenster des Ofens scheinen. Das Metall im Ofen heizt sich auf. Erstaunlich ist, dass sich die Sonnenenergie darin bis zu 600 Grad erhitzen kann. Mehr als genug, um eine Pizza zu backen.

Doch so heiss wird der Ofen heute nicht. Immer wieder tauchen ein paar Wölkchen am Himmel auf. «Nicht der perfekte Tag, um den Ofen in Betrieb zu nehmen», erzählt Judith Bernet, Co-Präsidentin des Vereins Solarstart. Nichts desto trotz belegen die hungrigen Kinder ihre Pizzas, die dann vom Koch in den heissen Ofen geschoben werden. Ungefähr 20 Minuten später stehen sie schon auf dem Tisch. Lecker und heiss. Der Käse tatsächlich geschmolzen – nur durch die Sonne. Die Gruppe geniesst die Pizza. Bei einem leckeren Stück Kuchen, Kaffee und Sirup für die Kids folgen weitere Infos über den Ofen. Dann gibts noch eine Art spielerisch gestaltetes Rätselheft für die Kinder, in dem sie nochmal nachlesen können, wie der Ofen funktioniert. Abschliessend würde noch ein lustiges Fimo-Backen auf dem Programm stehen. Doch die zunehmend dicken Regenwolken rauben den Kindern diesen Knetspass, da der Solarofen nur mit Sonnenstrahlen in Betrieb genommen werden kann. Um ihn «auszuschalten» werden lediglich die Spiegel nach unten geklappt, damit sich das Licht nicht mehr darin fängt.

Die erste Solarpizza ist geglückt. Bild: M. Rominger

Hoch gestecktes Ziel

Henrik Vetsch von den Heubergen hat in Zusammenarbeit mit dem Verein Solarstart bereits eine Lytefire-Solarsauna in Betrieb genommen. Diese steht vor dem Berghaus «Heuberge», direkt vor dem kleinen See. Auch sie funktioniert rein durch die Kraft der Sonne. Doch nicht nur das: Vetsch und sein Team möchten in den Heubergen radikal und zukunftsorientiert umdenken. Ein hoch gestecktes Ziel ist, dass die Heuberge bis 2030 in Sachen Energie vollkommen autonom sein möchten. Alle weiteren interessanten Visionen zu den Heubergen könnt Ihr unter www.heuberge.ch/ueber-uns/vision nachlesen.

Sonne optimal nutzen

Der Pizzaofen selbst wurde direkt in den Heubergen gebaut. Urs Riggenbach und sein Team wissen, wies geht. Ihnen geht es darum, Öfen in diversen Grössen, in verschiedensten Ländern vor Ort aufzubauen, die Menschen im Umgang damit zu schulen und ihnen zu einer besseren Zukunft zu verhelfen. Judith Bernet erklärt, dass zum Beispiel die Frauen in Afrika meilenweit gehen müssten, bis sie zu den immer knapper werdenden Wäldern und schliesslich zu Holz kämen, damit sie ein Feuer machen könnten, um Essen zu kochen oder zu backen. Sie bräuchten den Rohstoff Holz, würden den Rauch einatmen und müssten immer weitere Strecken auf sich nehmen, um an Holz zu kommen. Mit dem Lytefire-Solarofen würde das alles zur Geschichte. So müssten sie nur noch die Spiegel zur Sonne hinwenden, um backen oder rösten zu können.

Nachhaltigkeit vermitteln

Der Verein Solarstart vertritt bereits mehrere Projekte weltweit. Nächstes Jahr möchte der Verein neun Solaröfen für das schweizweite Pfadilager in Goms im Wallis aufbauen. Damit dies möglich wird, und er der Jugend mehr Nachhaltigkeit vermitteln kann, darf unter www.solarstart.org gerne gespendet werden.
Wer die Solardays in den Fideriser Heubergen besuchen möchte, kann sich unter info@solarstart.org anmelden.

Heiss genug: Jetzt kann die Pizza in den Ofen. Bild: M. Rominger
M. Rominger