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Schiers
18.07.2021

«Ich fühle mich vom Kader und meinem Zug getragen»

Désirée Mäder zeigt bei der Führung durchs Feuerwehr-Depot die Maske eines Atemschutzgeräts.
Désirée Mäder zeigt bei der Führung durchs Feuerwehr-Depot die Maske eines Atemschutzgeräts. Bild: L. Steinmann
Désirée Mäder ist eine selbstbewusste und vielseitig interessierte junge Frau von heute. Den Satz «Das kann ich nicht» gibt es für sie nicht. Als Zugführerin, der in zwei Zügen eingeteilten Feuerwehr Vorderprättigau, hat die medizinische Praxisassistentin eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Männerdomäne Feuerwehr inne. P&H hat sie gefragt, was ihre Motivation ist.

Samstag, 10. Juli 2021, 10 Uhr: P&H trifft Désirée Mäder vor dem Depot der Feuerwehr Vorderprättigau in Schiers. Aufgefallen ist uns die junge Frau vor gut zwei Monaten an einem Erstausbildungsabend der Feuerwehren Vorderprättigau, Calanda und Herrschaft sowie der Stützpunkt-Feuerwehr Landquart beim Würth-Logistikzentrum in Landquart. Mit dem Thema Lagerung von verletzten Personen und Rettungskette betraut, übte die junge Zugführerin als einzige Frau im anwesenden Feuerwehr-Kader an diesem Abend mit den Neulingen unter anderem die stabile Seitenlage und beantwortete kompetent alle Fragen rund um dieses Thema.

Aus dem Stegreif

Jetzt sind wir hier – wie bereits erwähnt – vor dem Feuerwehr-Depot in Schiers. Die Feuerwehr Vorderprättigau führt laut der jungen Schierserin neben diesem Depot jeweils auch noch eines in Grüsch und eines in Seewis. Diese drei Gemeinden bilden gleichzeitig auch das gut 155,5 Quadratkilometer umfassende Einsatzgebiet der aus 75 freiwilligen Mitgliedern bestehenden Verbandsfeuerwehr. Die junge Frau, die an diesem Wochenende für den Pikettdienst eingeteilt ist, führt uns ins Depot und erklärt uns aus dem Stegreif, welche Fahrzeuge und Gerätschaften hier stehen und wann und wie sie zum Einsatz kommen. «Nach jeder Übung oder nach jedem Einsatz werden diese gereinigt und wieder einsatzbereit gemacht, damit wir im Ernstfall gerüstet sind», sagt sie und hält dabei die Maske von einem Atemschutzgerät in der Hand. Diese werden vor allem bei Brandeinsätzen getragen und verhindern, das reizende oder giftige Stoffe in die Augen oder Atemwege der Feuerwehrleute geraten.

Die Schierser Zugführerin (rechts) übt mit Feuerwehr-Neulingen die stabile Seitenlage. Bild: L. Steinmann

Keine Ahnung

Es geht weiter in den oberen Stock. Da befindet sich neben dem Umkleideraum mit den Ausrüstungen auch der Kommandoraum, der vom Feuerwehr-Kader für Sitzungen, interne Schulungen oder Büroarbeiten genutzt wird. «Bei einem Grossschadenereignis koordiniert ein Teil unseres Kaders die anstehenden Einsätze von hier aus», erzählt Zugführerin Désirée Mäder, während sie am Tisch Platz nimmt. «Über Funk halten sie ständig Kontakt zu den Einsatzkräften vor Ort und geben ihnen Anweisungen.»

Auf die Frage, wie sie überhaupt zur Feuerwehr gekommen ist, antwortet sie lächelnd: «Ich wollte den Feuerwehr-Pflichtersatz nicht bezahlen.» Als sie die erste dieser Feuerwehr-Pflichtersatz-Rechnungen in den Händen gehalten habe, habe sie sich vor gut zehn Jahren gesagt: «Wenn du bezahlen kannst, dann kannst du ja auch gleich selber in die Feuerwehr gehen.» Deshalb habe sie bei Nico Muzzarelli, heute Kommandant der Feuerwehr Vorderprättigau, so lange gestürmt, bis er ihr gesagt habe, dass sie kommen dürfe. «Ich fand die Feuerwehr schon als kleines Mädchen spannend. Aber, welche Aufgaben neben Feuerlöschen und Menschenretten noch dazu gehören, davon hatte ich keine Ahnung», erinnert sich die heute 34-Jährige. Doch von Anfang an sei die Feuerwehr ein guter Ausgleich zu ihrem hauptsächlich von Frauen ausgeübten Beruf als medizinische Praxisassistentin gewesen. Bei der Feuerwehr seien unter anderem auch handwerkliches Geschick und technisches Verständnis gefragt. «Bei uns kommen Maschinen und Gerätschaften zum Einsatz, die ich vorher überhaupt nicht gekannt habe.»

Désirée Mäder ist sehr sportlich und klettert unter anderem auch gern. Bild: zVg

Kollegialer Umgang

Im ersten Jahr sei sie einfach mitgegangen und habe sich alles angeschaut. Der Umgang untereinander sei immer sehr kollegial gewesen, und sie habe sich immer gut akzeptiert gefühlt. «Da, als ich hier angefangen habe, die meisten meiner Kollegen älter waren als ich, haben sie mich quasi als Küken an die Hand genommen, mir alles gezeigt und mir immer geholfen», erzählt sie weiter. Zu Beginn bei den Pionieren eingeteilt, hat sie 2015 den Kurs zur Gruppenführerin gemacht und ist damit ins Kader aufgestiegen. Im 2019 habe sie die Ausbildung zur Offizierin und 2020 zur Zugführerin gemacht. «In dieser Funktion fühle ich mich vom Kader und den Leuten in meinem Zug gut getragen», erklärt Désirée Mäder.

Für die sportbegeisterte Junge ist die Feuerwehr heute eine Herzensangelegenheit, bei der, wie sie selber sagt, miteinander etwas Sinnvolles gemacht wird. «Wir arbeiten zusammen und nach Ausnahmesituationen verarbeiten wir zusammen unsere Eindrücke und das Erlebte.»

Weitere Informationen zur Feuerwehr Vorderprättigau gibt’s unter www.fwvp.ch oder an den alljährlich stattfindenden Infoveranstaltungen im November.

L. Steinmann