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Schiers
23.05.2021
21.05.2021 15:12 Uhr

Redebedarf wegen 5G-Antenne

191 Personen haben sich mit ihrer Unterschrift gegen 5G ausgesprochen. Bild: C. Imhof
Am vergangenen Dienstagabend wurden in Schiers 191 Unterschriften gegen den Ausbau des Swisscom-5G-Netzes dem Gemeinde­präsidenten, den Gemeinderäten und der Baubehörde über­geben. Die in kurzer Zeit zusammengetragenen Listen zeigen, dass die Schierser ­Bevölkerung lieber auf die ­Erhaltung der Natur statt auf technischen Fortschritt setzt.

In ihrem Schreiben vom 17. Mai an die Gemeinde Schiers, bittet Initiantin Annatina Däscher-Fopp die Verantwortlichen darum, den Ausbau der Swisscom-Mobilfunkanlage auf Mast 41 im Industriegebiet nicht zu bewilligen. Schiers sei ein attraktives Gesundheitszentrum im Prättigau mit hervorragender Lebensqualität und moderner Infrastruktur. Weitere Mikrowellenbestrahlungen seien unnötig, da die Schierserinnen und Schierser bereits mit der 4G-Technologie und den Glasfaserleitungen genügend ausgestattet seien.

Schützenswerte Biodiversität

Neben den Unterschriften überreichte Däscher-Fopp den Gemeindeangestellten noch ein Glas Prättigauer Honig, welches süss unterstreichen soll, wie schützenswert die Natur und die Menschen im Prättigau doch seien. Neben ihr kamen fünf weitere Personen, die sich gemeinsam mit ihr in den Kampf gegen die grossen Telecomfirmen stürzen. Es sei schon verrückt, wie weit wir schon gekommen seien, sagte Jakob Jeker. Wenn man vor dreissig Jahren von Solothurn nach Graubünden gefahren sei, habe man wegen den vielen Insekten an der Frontscheibe direkt in eine Autowaschanlage fahren können. Heute habe man Glück, wenn man nur schon eine Handvoll Mücken auf der gleichen Strecke erwische. Dies sei doch ein eindeutiges Zeichen, dass mit der Biodiversität einiges nicht mehr stimme und dass man dringend etwas unternehmen anstatt verschlechtern müsse.

Auch die Jugend störts

Doch nicht nur die Erwachsenen stören sich an den zusätzlichen Umweltbelastungen durch die Strahlen, auch bei der 19-jährigen Anna Lydia Däscher stösst das Hochfahren der 5G-Technologie auf Ablehnung. Das Internet sei momentan schon effizient genug für alle die ihr bekannten privaten Anwendungsbereiche. Es werde von den Telecomfirmen immer behauptet, dass die Jugend noch schnelleres Internet wolle. In ihrem Umfeld seien jedoch alle zufrieden mit dem jetzigen technischen Stand. Wenn Firmen diese neue, schnelle Technologie nutzen wollen, könnten sie dies ja in ihren Firmengebäuden abgeschirmt errichten und müssten nicht noch die ganze Umgebung damit verstrahlen. Was die junge Frau daran aber auch nerve, sei der Umstand, dass die Telecomfirmen jeweils über die Köpfe aller hinweg entscheiden und nicht einmal nachfragen, ob eine solche technische Neuerung überhaupt gewünscht sei.

Gemeinde nimmt Stellung

Gemeindepräsident Ueli Thöny zeigte sich erfreut über eine engagierte Bevölkerung. Er dankte den Anwesenden für das Mitwirken in der Gemeinde und erklärte, dass das Anliegen von der Gemeinde ausführlich geprüft werde. Es gebe anschliessend eine umfassende Beantwortung der Fragen und nicht bloss ein formeller Brief zur schnellen Abhandlung. Laut Thöny sei eventuell auch eine öffentliche Gesprächsrunde eine Idee bei diesem Thema. Dies stiess bei Annatina Däscher-Fopp und ihren Mitstreitern auf offene Ohren. Auch wenn ihre Initiative nur ein Tropfen auf den heissen Stein sei, entstehe dadurch immerhin Dampf und Bewegung, was besser sei, als solches schweigend hinzunehmen.

cim