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Wo alte Schule auf Moderne trifft

Bild: Christian Imhof
Die Papeterie Schmid hat ausgebaut. Das Traditionsunternehmen an der Bahnhofstrasse 20 in Landquart hat zusätzliche 70 Quadratmeter geschaffen und darf nun die Kundschaft auf einer Ladenfläche von 350 Quadratmetern bedienen. Im Raum, der früher ein Lager war, werden jetzt Schulsäcke verkauft. Dies mit einer Auswahl, die es in diesem Ausmass sonst in der Region nirgends mehr gibt.

Vermutlich wurde die Papeterie in Landquart 1935 von einem Jean Nater gegründet und trug bis zur Übernahme der Familie Schmid im Jahr 1958 deshalb auch den Namen Nater als Firma. Die Grosseltern der heutigen Geschäftsführerin Martina Schmid haben damals an der Schulstrasse 32 neben dem Verkauf von klassischen Papeterie Artikel auch noch einen «Allerweltsladen» betrieben. 1982 wurde die Aktiengesellschaft gegründet. Zwei Jahre später kamen dann die Spielwaren zur Papeterie. Damals stellte das Sportgeschäft in Landquart den Verkauf von Spielwaren ein. So ergab sich eine neue Möglichkeit. Von nun an führte Rosmarie Schmid diese Abteilung. Als gelernte Kleinkinderzieherin kannte sie sich gut aus und legte viel Wert auf sinnvolles, wertiges Spielzeug. Ein Einfluss der bis heute spürbar ist. «Wenn es irgendwie möglich ist, versuchen wir immer Spielsachen aus Holz statt Plastik und mit einem gewissen Lerneffekt anzubieten. Ebenfalls wichtig ist es uns, nicht gewaltverherrlichende Dinge im Regal zu haben. Auch im Bereich der elektronischen Spielsachen halten wir uns stark zurück.» Nach dem Umzug in das ehemalige Coop-Gebäude an der Bahnhofstrasse 20 im Jahr 1991 und einem grossen Umbau im Jahr 2008, hat sich die Verkaufsfläche stark vergrössert. Dabei hat man sehr darauf geachtet, dass nicht mehr Waren präsentiert werden, sondern den vorhandenen Waren mehr Platz gegeben wurde. In der Zwischenzeit hatten sich die Anforderungen an ein Verkaufslokal verändert. Mehr und mehr entstand das Bedürfnis nach einem Einkaufserlebnis.

Auf Umwegen wieder zurück
Dass mit Martina Schmid nun schon die dritte Generation der Familie das Traditionsunternehmen weiterführt, ist überhaupt nicht selbstverständlich, auch wenn sie ursprünglich eine Detailhandelslehre beim Kübliser Unternehmen Caprez Sport gemacht hat. «’Ich verkaufe sicher nie Papier’ habe ich damals in meiner rebellischen Phase gesagt», gibt Martina lachend zu Protokoll. Und in der Tat: Es brauchte tatsächlich einen Sprachaufenthalt in Amerika, um ihre Meinung zu ändern. Nach diesem suchte die heute 35-Jährige in der Übergangsphase eine Beschäftigung und wurde zuhause fündig. «In diesen drei Jahren, in denen ich hier als Angestellte gearbeitet habe, durfte ich feststellen, wieviel Freude mir unser Geschäft bereitet. Das Sortiment selbst zu gestalten, den Kunden eine echte Hilfe zu sein, die Wertschätzung der Gesellschaft zu spüren und Teil eines wunderbaren Teams zu sein, sind die Dinge die mich auch heute jeden Tag motivieren.» Positiv zur Entscheidungsfindung beigetragen haben sicher auch ihre Eltern Rosmarie und Luzi. «Sie haben mir in vielen Dingen absolut freie Hand gelassen und mich nie zu etwas gedrängt. Dieses Ausprobieren hat mir sehr viel Spass bereitet, und auf einmal konnte ich es mir doch vorstellen, das Geschäft irgendwann zu übernehmen.» Für zwei Jahre habe sie dann noch an der Bahnhofstrasse in Zürich im Globus gearbeitet, um einen Einblick in einen grösseren Markt zu erhalten. Doch dann im Jahr 2014 kehrte Martina Schmid ins Familienunternehmen zurück. Die Übernahme ist aber noch immer ein fortdauernder Prozess. «Da ich inzwischen selbst Mutter bin und nur drei Tage die Woche im Geschäft arbeite, würde es ohne die Unterstützung vom Team und meinen Eltern nicht gehen. Doch wir haben das grosse Glück, ein unglaublich tolles Team im Rücken zu haben, welches nach und nach mehr Verantwortung übernimmt und somit auch meine Eltern langsam entlastet.»

Beratung ist besonders geworden
Geschäfte wie die Papeterie Schmid sind in Zeiten von «Self-scanning» und Digitalisierung leider eine Ausnahmeerscheinung geworden. Dies sei eine Rückmeldung, die sie oft von den Kunden höre, sagt Martina Schmid. «Viele Leute schätzen den ‘Schmid’, weil wir uns viel Zeit für unsere Kunden nehmen und bei uns eine gewisse Wohlfühlatmosphäre herrscht. Es scheint wirklich ein bisschen so, als ob die Beratung etwas Besonderes geworden ist.» Auch sonst setze Martina Schmid oft auf die alte Schule. «Gerade kürzlich habe ich ein Inserat gestaltet und wollte dort erwähnen, dass die Papeterie dank dem Onlineshop ‘twenty-four-seven’ für die Kundschaft erreichbar ist. Doch ich habe mich stattdessen für ‘rund um die Uhr’ entschieden, weil es einfach viel besser zu uns passt.» Obwohl sich das Unternehmen bei vielen Dingen auf alte Werte beruft, ist die Papeterie nicht ein Laden mit zwei Zentimeter Staubschicht, sondern stets recht progressiv und modern unterwegs. «Es ist immer ein Abwägen. Ich finde, es gibt Artikel wie z.B. Löschpapier, die in einer Papeterie erhältlich sein müssen, auch wenn sie sich nicht täglich verkaufen. Auf der anderen Seite gehen wir auch gerne auf die Bedürfnisse der Kunden ein und erweitern unser Sortiment, wenn es gut zu unserem Konzept passt. Auch neue Trends finden bei uns meistens einen Platz.»

Die «Schualsack Stuba» eröffnet
Ein Beispiel dafür ist die «Schualsack Stuba», die Anfang Februar offiziell eröffnet wird. Auf den neu geschaffenen 70 Quadratmeter im hinteren Teil der Papeterie werden, wie es der Name schon verrät, Schulsäcke und «Kinditäschli» angeboten. «Während Corona konnten wir die alljährlich stattfindende Schulsack-Ausstellung «Sackstark» nicht durchführen. Darum haben wir unser Sortiment im Geschäft erweitert und gemerkt, wie positiv die grosse Auswahl von der Kundschaft aufgenommen worden ist. Es sind sogar Kunden aus Walenstadt oder dem Engadin vorbeigekommen. Aus diesem Grund haben wir aus dem ehemaligen Lagerraum die ‘Schualsack Stuba’ gemacht.» Oft werde im Verkauf heute nur noch gezeigt, wo die Produkte stehen und nicht gross beraten. Im «Schmid» werde das anders gehandhabt und deshalb auch ins Personal investiert. «Ich denke, alle erinnern sich noch daran, wie der erste eigene Schulsack ausgesehen hat. Wir sind einfach glücklich, dass wir die Kinder auf diesem Weg begleiten dürfen, und bei dieser wichtigen Entscheidung sollte der individuelle Wunsch und nicht die Zeit der Beraterin im Fokus stehen.» Martina Schmid kommt ins Schwärmen, wenn sie erzählt, was die heutigen Schulsäcke inzwischen alles können und merkt zudem an, dass die Hersteller auch sehr auf die Wünsche der Kundschaft eingehen. «Die Erstklässler: innen werden immer grösser. Aus diesem Grund haben die Marken Ergobag und Step by Step reagiert und auf Grund der Kundenwünsche auch Schulsäcke mit längerem Rücken produziert. So müssen die Eltern nicht nach kurzer Zeit bereits das nächste Modell kaufen, wenn das Kind rausgewachsen ist.» In der Papeterie Schmid weht immer wieder ein frischer Wind, wenn moderne Ideen auf die Werte der alten Schule treffen. Wenn man zudem sieht, mit wie viel Freude der jüngste Spross Fabio mit dem Buggy durch die Gänge des Geschäfts flitzt, bleibt die Hoffnung bestehen, dass es dieses traditionsreiche Familienunternehmen hoffentlich noch lange gibt

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