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Malans
07.05.2022

Alpine Rettung – die rechte Hand der Rega

Bild: Marco Schnell
Die Älplibahn Malans ist im westlichen Rätikon der wohl bekannteste Zubringer zu einem herrlichen und weitläufigen Wandergebiet. Was geschieht, wenn die Bahn einst einen Motorenschaden erleiden oder anderweitig blockiert sein sollte? Diese Frage beantwortete die Alpine Rettung kürzlich anlässlich einer Evakuationsübung.

Evakuationen aus Seilbahnen kommen in der Schweiz – und natürlich auch im Ausland – hin und wieder vor. Normalerweise erfolgen solche Einätze mit dem Helikopter. Es kann jedoch vorkommen, dass dieser aufgrund der Wetterbedingungen (Wind, Nebel, etc.) nicht fliegen kann. «In diesem Fall werden wir von der Alpinen Rettung aufgeboten», erklärt Ernst Gabriel, Rettungschef SAC-Sektion Rätia, anlässlich der alljährlichen Rettungsübung bei der Älplibahn in Malans. «Die Alarmierung in solchen Fällen – aber auch bei allen anderen Rettungseinsätzen – läuft immer und ausschliesslich über die Rega. Diese entscheidet dann, ob die Alpine Rettung ebenfalls aufgeboten werden muss.»

Gesetzliche Pflicht
Die Alpine Rettung, Rettungsstation Chur (Sektion Rätia), ist nicht nur für die Älplibahn zuständig, sondern auch Teil des Rettungskonzepts bei der Brambrüeschbahn und den Lenzerheide Bergbahnen. «Alle Seilbahnen der Schweiz sind gesetzlich dazu verpflichtet, ein Rettungskonzept vorweisen zu können, um Kabinen, Gondeln oder Sessellifte ohne den Einsatz eines Helikopters in einer gewissen Zeit evakuieren zu können», erklärt Gabriel. «Und solche Einsätze müssen natürlich regelmässig – einmal pro Jahr – durchgespielt werden.»

Alarmierung via App
Die Alarmierung erfolgt bei solchen Einsätzen nicht mehr über den «Pager», sondern neuerdings über eine App mit diversen Nutzung- und Informationsmöglichkeiten. «Der Einsatzleiter sieht so zum Beispiel sofort, wo sich seine Leute aktuell befinden beziehungsweise wer und wo rasch verfügbar wäre», nennt der Rettungschef ein Beispiel. «Danach treffen sich die aufgebotenen Mitglieder der Alpinen Rettung am Einsatzort, wo sie vom Einsatzleiter über den vorliegenden Fall informiert werden und das Material für den Einsatz bereitgestellt wird.»  

Zwei Rettungsvarianten
Bei der Älplibahn Malans standen rund zehn Personen im Einsatz. Geübt wurden zwei verschiedene Evakuationsvarianten: Die erste Gondel erreichten die Rettungskräfte von einem Seilbahnmast aus, wo sie einen Kollegen mittels Seilfahrgerät (Seilrolle) zur Kabine hinterliessen. Vor dort aus organisierte dieser dann das fachgerechte und sichere Abseilen der festgesetzten Fahrgäste. «Es gibt Orte, wo wir die Kabinen auf diese Art und Weise aufgrund grosser Distanz zu den Masten nicht erreicht werden können», begründet Gabriel die alternative Variante. «Bei dieser zweiten Methode wird vom Boden aus via Seilfahrgerät ein Bergseil zur Kabine gezogen, an welchem sich ein Retter anschliessend mittels Motorwinde hochzieht und so die Bergung der Fahrgäste in die Wege leiten kann.» Um die ganze Übung noch etwas zu «erschweren», sass diesmal unter anderem ein Fahrgast mit einem Hund in einer der Kabinen. Auch diese Rettung klappte einwandfrei – Hund und Hundehalterin schwebten am Rettungsseil ruhig und sanft zu Boden.

Vertrag mit Alpiner Rettung
Die Älplibahn Malans habe mit der Alpinen Rettung, Rettungsstation Chur (Sektion Rätia) einen Vertrag, um im Ernstfall solche Rettungen vorzunehmen, erklärte Marcel Roth, Sicherheitsverantwortlicher und Vorstandsmitglied der Älplibahn, im Rahmen der Rettungsübung gegenüber dem P&H. Am Ende der Übung zeigte er sich erleichtert, dass sämtliche Passagiere, inklusive Hund, wohlbehalten den sicheren Boden erreicht haben und natürlich auch, dass es bei der Älplibahn Malans bislang glücklicherweise bei «Übungen» geblieben ist. Seine Aufgabe war es unter anderem, die blockierten Passagiere in den Gondeln via Kabinentelefon über die Notsituation und die bevorstehende Evakuierung zu informieren.

Weitere Einsatzgebiete
Ausser bei solchen Bergbahnevakuierungen wird die Alpine Rettung laut Gabriel bei allgemeinen Bergrettungen in schwierigem Gelände, bei Lawinenrettungen oder auch bei Suchaktionen beigezogen. «Aufgeboten werden wir immer und ausschliesslich von der Rega über welche auch die Abrechnung eines solchen Einsatzes erfolgt.» Eine Suchaktion, die über mehrere Tage dauert, könne aufgrund der vielen Mannstunden schnell einmal zehntausenden von Franken kosten, so Gabriel. Einen Überblick über die finalen Kosten habe die Rettungsstation, welche ihren Arbeitsaufwand genau protokolliert, aus besagten Gründen aber nie. Die rund 12 Rettungsübungen pro Jahr werden nicht verrechnet und erfolgen von den Teilnehmern ehrenamtlich. Gebübt werden nebst den erwähnten Einsätzen auch materlialspezifische und medizinische Bereiche.

Alpine Rettung Schweiz
Organisiert ist die Dachorganisation der Alpinen Rettung Schweiz über eine Stiftung. Finanziert wird sie gemäss Gabriel über den Schweizerischen Alpenclub SAC, die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega, Kantonsbeiträge, Spenden sowie über die Einsätze, welche in der Regel weiterverrechnet werden. Die Alpine Rettung Rettungsstation Chur (SAC Rätia) verfügt über rund 25 Mitglieder. Insgesamt sind im Kanton Graubünden 27 Rettungsstationen aktiv.

Marco Schnell