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Jenaz
29.01.2022

Andreas Bardill – Ein Leben für die alpine Rettung

Bild: Rega
Forstwart, Förster, Bergführer, Berufsmilitär und nun seit 16 Jahren Geschäftsführer der Alpinen Rettung Schweiz (ARS). So könnte man den beruflichen Werdegang von Andreas Bardill aus Pragg unspektakulär, kurz und bündig zusammenfassen. Dabei würde sein unermüdlicher Einsatz für die schweizweite Organisation der alpinen Rettung allerdings viel zu wenig gewürdigt.

Der heute 58-jährige Bardill lebt mit seiner Familie in Pragg-Jenaz. Wenn er nicht auf dem Weg zu einer Besprechung mit Vertretern von kantonalen Behörden der Polizei, dem Gesundheitswesen oder lokalen Partnerorganisationen wie z.B. Feuerwehr, Samariter oder Hundegruppen ist, trifft man ihn an seinem Arbeitsort in Zürich. In den Räumlichkeiten des Rega-Centers hat die ARS ihren Geschäftssitz. Sie ist eine selstbständige, gemeinnützige Stiftung, getragen durch die Rega und den Schweizer Alpen-Club SAC. Die Rega wickelt die administrativen Belange ab. Die ARS ist zuständig für die terrestrische Bergrettung, also der Rettung vom Boden aus, und unterstützt dabei die Rettung aus der Luft. Sie leistet in der Schweiz flächendeckend und witterungsunabhängig Einsätze für alle in alpinem Raum in Not geratene Menschen.

2005 – Not macht erfinderisch

Lange Zeit war das terrestrische Rettungswesen in den Bergen eine Angelegenheit der verschiedenen SAC-Sektionen. Als sich Bergsteigen immer mehr zu einem Breitensport entwickelte und immer mehr Nichtmitglieder bei alpinen Unfällen gerettet werden mussten, stiessen verschiedene SAC-Sektionen und auch die Rega an ihre Grenzen. Die Rettungseinsätze führten zu immer komplexeren Fragestellungen und der administrative Aufwand wurde laufend grösser. Der SAC und die Rega gründeten daher 2005 die Stiftung Alpine Rettung Schweiz. Heute gilt die ARS ausser im Kanton Wallis als DIE Ansprechpartnerin für die Kantone. Diese haben dabei ihre Rettungsaufgaben im Gebirge nämlich längst mittels Leistungsauftrag der ARS übertragen. 86 Rettungsstationen vereint in sieben Regionalvereinen sind derzeit über die Voralpen, Alpen und den Jura verteilt und über 2800 freiwillige Helfer:innen können in kürzester Zeit ihren Einsatzort erreichen. Imposant, was Andreas Bardill, der noch immer erste Geschäftsführer der Stiftung, mit seiner Crew in den letzten Jahren aufgebaut hat.

Bergretter sind starke Persönlichkeiten

Wer täglich im Gebirge unterwegs ist, jedem Wetter trotzt und auch bei widrigsten Bedingungen für einen Rettungseinsatz ausrückt, der verfügt über Ecken und Kanten. Verständlich, dass solche Persönlichkeiten auch klar wissen, was sie wollen – und eigentlich nicht auf den «Vertreter aus Zürich» warten, der ihnen erklärt, wie Bergrettung zu funktionieren hat. Dabei kommt es dem Prättigauer Bardill gelegen, dass er seit Kindsbeinen an selbst regelmässig im Gebirge unterwegs ist. Als Chef der JO der SAC-Sektion Prättigau und dann als deren Sektionspräsident und Präsident der Kommission Bergsport und Jugendkommission des SAC lernte er früh sich auch auf dem verbandspolitischen Parkett zu bewegen. Gerade in der Anfangsphase seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der ARS eine wertvolle Erfahrung. Oft musste er auch gegen Widerstände ankämpfen, um das hoch gesteckte Ziel, das alpine Rettungswesen schweizweit einheitlich zu organisieren, zu erreichen.

Stabilität der Organisation erhalten

Fragt man Bardill nach seinen Zielen, die er mit der ARS noch erreichen will, so antwortet er bescheiden: «Ich möchte die Stabilität der Organisation erhalten.» Mit seiner ruhigen, besonnenen und doch entschlossenen Art scheint er auf bestem Weg zu sein, die ARS mit dem breiten Netz an freiwilligen Retter:innen und Fachspezialist:innen Helikopter, Hund, Canyoning und Medizin auch weiterhin als das Aushängeschild der Bergrettung zu positionieren.

First Responder auf dem Vormarsch

Vorerst gilt es aber, ein noch junges Projekt voranzutreiben: In weiten Teilen des Kantons nimmt das Eintreffen der professionellen Ambulanzdienste einige Zeit in Anspruch. Wer nun an entlegene Bergdörfer denkt, irrt. Gerade Dörfer in der Herrschaft sind es, welche durch die Rettungsdienste erst nach mehr als einer Viertelstunde erreicht werden. Dem ARS wurde daher letztes Jahr die Aufgabe übertragen, die Organisation der «First Responder Plus» aufzubauen. First Responder rekrutieren sich unter anderem aus Mitgliedern der bestehenden SAC-Rettungskolonnen und sollen im Notfall helfen, eine schnellere Erstversorgung zu gewährleisten. Nebst Intervention bei Herzkreislaufvorfällen können sie auch Erste Hilfe leisten bei Bewusstlosigkeit, starken sichtbaren Blutungen und Atemnot. Bei einer derart vielfältigen Aufgabe glaubt man Bardill gerne, dass es ihm in den letzten 16 Jahren noch nicht einen Tag langweilig gewesen sei. «Bei über 1000 Einsätzen pro Jahr, verteilt über die ganze Schweiz bringt jeder Tag neue, spannende und fordernde Fragestellungen mit sich.»

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  • Bild: Pius Furger
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mme