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Trimmis
19.06.2021

Schüler erleben die Natur mit Leib und Seele

Andrin (v.l.), Florian und Enrico helfen mit vollem Körpereinsatz beim Bau der Feuerstelle.
Andrin (v.l.), Florian und Enrico helfen mit vollem Körpereinsatz beim Bau der Feuerstelle. Bild: L. Steinmann
Die Schule Trimmis hat vom 7. bis 11. Juni ihr Schulzimmer in die Natur verlegt. Dort dürfen Kindergarten-Kinder bis Oberstufenschüler das Thema Natur mit allen Sinnen erleben. Anhand der drei Lebensräume Wasser, Wald und Gebirge lernen sie, dass jeder Lebensraum für seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt – aber auch für den Menschen – wertvoll und lebenswichtig ist.

Heute ist Donnerstag. Ich treffe mich im Schulhaus Trimmis mit dem Oberstufenlehrer Heinz Hemmi, der mir kurz erklärt, worum es bei der Projektwoche zum Thema «Natur erleben» der Schule Trimmis geht. «An dieser Projektwoche nehmen alle Kindergarten-Kinder sowie alle Schülerinnen und Schüler von der ersten Klasse bis zur dritten Oberstufe teil», beginnt Hemmi zu erzählen. «Im Zentrum steht das Thema Natur, das wir in die drei Lebensräume Wasser, Wald und Gebirge aufgeteilt haben.» Die Planungen für diese Schulwoche in der Natur und an der frischen Luft hätten bereits im letzten Jahr stattgefunden.

Unterricht in der Natur

Lehrer Hemmi drückt mir verschiedene Unterlagen zur Projektwoche und ein Programm in die Hand und sagt: «Die grundlegenden Themen, die wir den Kindern und Jugendlichen dadurch näherbringen wollen, sind die Artenförderung und die Biodiversität.» In diesem Zusammenhang wurden in den letzten drei Tagen unter anderem Überwinterungshilfen für Kleinreptilien und Kleinsäuger erstellt, und die Schülerinnen und Schüler durften im Rahmen der Waldpflege beim Auslichten und Aufforsten mit klimaresistenten Baumarten wie Eiche und Ahorn mitanpacken. «Gestern war ich mit meiner Klasse und dem Vogelschutz Landquart den ganzen Vormittag auf Vogelexkursion. Wir haben 31 verschiedene Vogelarten beobachten können», hält er fest. In weiteren Programmpunkten werden das Zusammenleben von Mensch und Wild im dichtbesiedelten Gebiet am Beispiel des Bibers oder das Leben an landschaftsprägenden Fliessgewässern im und ausserhalb des Trimmiser Gemeindegebietes thematisiert.

Impulsgeber für diese Projektwoche war das Lehrerteam und die daraus gebildete Arbeitsgruppe, welche Kontakte mit diversen Fachpersonen aufgleiste. Dabei ist auch die Jägersektion Calanda, wie mir Oberstufenlehrer Heinz Hemmi erklärt. Diese habe bereits vor drei Jahren die zündende Idee für einen vergleichbaren Projekttag mit den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe gehabt und der Schule Trimmis geholfen, diesen zu organisieren. «Da dieser Tag für alle unvergesslich schön und lehrreich war, wurde schon damals entschieden, die Jäger der Sektion Calanda im Dreijahresrhythmus in den Schulbetrieb einzubinden».

Für die acht Schülerinnen und Schüler steht Weide- und Waldpflege auf dem Programm. Bild: L. Steinmann

Keine Bücher

Auf dem Schulhof kommen wir mit den Oberstufenschülerinnen Gianna, Angelina, Jasmin, und den Oberstufenschülern Florian, Andrin, Sascha, Enrico und Roman zusammen. Für sie steht heute Weide- und Waldpflege mit der Naturkundlichen Vereinigung Trimmis (NTV) auf dem Programm. Während Heinz Hemmi das dafür nötigte Werkzeug holt, frage ich die kleine Gruppe Jugendliche, was ihnen an dieser Projektwoche besonders gefällt. «Dass wir in der Natur sind und nicht im Schulzimmer hocken und aus Büchern lernen müssen», sagt Enrico und Andrin ergänzt: «und wir bekommen von Tag zu Tag mehr Kraft.» Viel mehr ist aus ihnen nicht herauszubekommen, da die Knaben mit gegenseitigem Necken beschäftigt sind. Die Mädchen hüllen sich in Schweigen und beobachten das etwas übermütige Treiben ihrer Schulkameraden. Kaum ist Hemmi wieder zurück, gehts zu Fuss schon los.

Fachliche Unterstützung

Unser Ziel sind die Trimmiser Witenen. So werden die Magerweiden zwischen dem Fürstenwald und dem Trimmiser Dorfrand genannt. Die Mädchen sind mit Heugabeln ausgerüstet, die Knaben und der Lehrer tragen Sensen. In den Witenen wird die Gruppe zusammen mit NVT-Präsident Reto Padrutt und drei weiteren NVT-Mitgliedern die Allmend und den angrenzenden Wald von den Farnen, die dort zu wuchern beginnen und den dort ansässigen Pflanzenarten den Lebensraum streitig machen, befreien.

Die Naturkundliche Vereinigung zählt neben der Forstgruppe Trimmis, Pro Natura, dem Schweizer Tierschutz, dem Vogelschutz Landquart und der Jägersektion Calanda zu den Freiwilligen, die den Lehrpersonen während der Projektwoche zum Thema Wald und Umwelt zur Seite stehen und diese mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen unterstützen. Durch gemeinsame Aktivitäten in kleineren und grösseren Gruppen bringen sie den Kindern und Jugendlichen die Zusammenhänge in der Natur näher.

Schüler packen mit an

Auf dem Weg zu den Witenen machen wir halt am Oberweg bei der Waldhütte, das heisst an dem Ort im Wald, wo sich die Waldhütte und ihre grosse Feuerstelle noch im Bau befinden. Hier ist die Forstgruppe Trimmis unter der Leitung des Gemeinde-Werkmeisters Patrick Tönz bereits fleissig am Werk. Auf Geheiss von Lehrer Heinz Hemmi dürfen Andrin, Florian und Enrico den Waldarbeitern beim Bau der neuen Feuerstelle aus Lehm zur Hand gehen. «Wir treffen uns am Mittag wieder hier zum Essen», sagt Hemmi und fügt hinzu: «Lehrerin Evelyne Vetsch und vier Schülerinnen unserer Klasse bekochen uns heute mit Schnitzelbrot.» Dann gehts für den Rest der Gruppe weiter.

Hoher Besuch

Auf unserem Weg in Richtung Witenen komme ich mit Roman ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er sich auf den morgigen Tag freut. Er sei dann in der Kochgruppe, die zusammen mit den Mitgliedern der Sektion Calanda ein Wildgericht für alle 120 Beteiligten inklusive Gäste zubereiten. Der Abschluss der Projektwoche, der für alle bei der neuen Waldhütte stattfindet, wird im Beisein von Regierungspräsident Mario Cavigelli, des Schwingers und Jägers Beat Clopath sowie der Schulleitung, des Schulrats und des Gemeindepräsidenten Roman Hug gemeinsam gefeiert.

Wir haben unser Ziel erreicht und werden bereits von Reto Padrutt erwartet. Der NTV-Präsident ist zusammen mit seinen freiwilligen Helfern bereits seit 7 Uhr dabei, den Farnen den Garaus zu machen. Er gibt den Schülerinnen und Schülern eine kurze Einweisung mit praktischer Demonstration, wie die Farne mit der Sense gemäht werden müssen. Lehrer Heinz Hemmi verteilt die Arbeiten. Dann gehts für die Jugendliche frisch ans Werk.

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L. Steinmann