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Der Ball rollt wieder beim Nachwuchs

Das Juniorenteam Db vom FC Landquart trainiert auch bei Regen.
Das Juniorenteam Db vom FC Landquart trainiert auch bei Regen. Bild: Christian Imhof
Am Freitagabend hat die UEFA Euro 2020, um ein Jahr verspätet, mit dem Spiel Türkei gegen Italien begonnen. Auch wenn die Welt wegen der Coronapandemie und vielleicht auch ein bisschen wegen der «Wander-EM», welche an elf unterschiedlichen Standorten stattfindet, noch nicht wirklich im Fussballfieber ist, bei den Junioren vom FC Landquart ist ihr Sport immer König.

Trotz Nieselregen und ziemlich kühlen Temperaturen wurde am Mittwochabend im Ried in Landquart trainiert. FC Landquart-Präsident Roger Tarnutzer sagt, dass dies einfach dazu gehöre. «Jede Mannschaft von uns ist in der Regel mindestens zwei Mal pro Woche auf dem Platz und am Wochenende sind häufig auch noch Spiele. Da gehört die Ungewissheit, wie das Wetter sein wird dann eben ein wenig dazu.»

Von der Strasse auf den Platz
Dass der Regen die Kids wenig stört, sieht man bei ihrem «Matchla». Actionreich und mit viel Herzblut stürzen sie sich ins Getümmel und versuchen als Mannschaft zu gewinnen. «Nachwuchsprobleme gibt es im Bündner Fussball eigentlich keine.», sagt Tarnutzer. «Nur schon wir haben um die 250 Spielerinnen und Spieler. Dann gibt es noch Chur, Domat/Ems, Schluein, Cazis und viele weitere, die ebenfalls auf einen soliden Nachwuchs zählen können.» Fussball sei grundsätzlich sehr populär und irgendwie auch eine Lebensschule. «Früher hat man mal gesagt, dass man mit dem Fussball die Kinder von der Strasse holen wollte. Auch heute ist das zu einem gewissen Teil so. Den Eltern und auch mir ist es lieber, wenn sie sich hier auf dem Platz austoben, anstatt irgendwo rumzulungern.» Beim FC Landquart gebe es einen Kodex, der den jungen Fussballbegeisterten nicht nur die Regeln des Spiels, sondern auch Disziplin und Werte für das Leben mitgeben. Dass die Jungen gerne ins «tschutta» gehen, beweist ein Blick auf die Webseite des Vereins, der zeigt wie die pyramidenförmige Nachwuchsförderung funktioniert. Bei den jüngsten Gruppen wird noch in zwei bis drei unterschiedliche Teams aufgeteilt, bei der ersten Mannschaft ist es dann plötzlich nur noch ein Team. «Das ist völlig natürlich.» weiss auch der Präsident. «In der Kindheit und frühen Jugend ist der Fussball ganz oben auf der Liste. Wenn dann aber mit der Zeit die Ausbildung und die erste Freundin mit ins Spiel kommt, nimmt das Interesse am Sport bei vielen schon deutlich ab.»

Beim FC Landquart stehen die Freude am Sport und den gemeinsamen Erlebnissen im Vordergrund. Bild: Christian Imhof

Breitensport statt Karriere
Auch wenn im Hintergrund das Juniorenteam Db sich mit viel Leidenschaft verausgabt und man als Zuschauer bei den Tricks des Nachwuchses glauben könnte, dass hier vielleicht sogar ein zukünftiger Natispieler auf dem Rasen steht, winkt Roger Tarnutzer ab. «Wir setzen hier auf Fussball als Breitensport und nicht auf kommerziellen Fussball. Bei uns darf Jede und Jeder mitmachen.» Wie es der Präsident schon angedeutet hat, finden nicht nur Jungs Begeisterung für das Kicken vom runden Leder. «In jedem Jahrgang haben wir so ein bis zwei Mädchen, die auch mitspielen. Es ist für uns durchaus erstrebenswert irgendwann mal eine komplette Damenmannschaft zu haben. Doch das ist noch ein bisschen Zukunftsmusik.» Auch wenn er gerne hätte, dass die 1. Mannschaft vielleicht eine Liga höher spielen würde, an und für sich seien sie sehr zufrieden, wo der Verein FC Landquart stehe. «Wir stehen niemandem im Weg, der eine grosse Fussballkarriere anreissen möchte, aber ich glaube in Graubünden hat man die besseren Chancen weiterzukommen, wenn man sich für Unihockey oder Eishockey entscheidet», erklärt Tarnutzer schmunzelnd.

Mehr als bloss Fussball
Diese Mentalität des Miteinanders beim Fussballclub Landquart spiegelt sich auch im Spiel der Jugendlichen. Eher selten werde angegeben voreinander oder sich gar mit grossen Namen im Geschäft verglichen. Die Freude am Sport und den gemeinsamen Erlebnissen stehe bei ihnen im Vordergrund. «Der Verein lebt, wie viele andere auch, vor allem durch die Fronarbeit von vielen Fussballbegeisterten und vielen, treuen Sponsoren. Aus finanzieller Sicht lohnt es sich nämlich nicht, Fussballtrainer zu werden, da nur schon die Präsenzzeit enorm ist», wie Tarnutzer erklärt. Doch für die Ausbildner zählen andere Dinge, als mit einem dicken Portemonnaie nach Hause zu gehen. «Wenn man mit den Kids etwas einübt und es bereits beim nächsten Spiel umgesetzt wird, dann gib einem das als Trainer viel zurück.» Die Mannschaften und ihre Trainer unternehmen auch neben dem Platz viel miteinander. So käme es laut Tarnutzer durchaus auch mal vor, dass man gemeinsam ein Spiel von einem Profiverein anschauen gehe oder sonstige Ausflüge, wie beispielsweise ins Alpamare mache. Dies passiere meistens in der Zwischensaison und stärke den Zusammenhalt in der Gruppe sehr. Dass die Landquarter mit ihrem Nachwuchs einiges richtig machen, sieht man an den strahlenden Gesichtern der Jugendlichen. Hier im «Tschutta» entstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten können und regelmässig emotionale Partien, die packender sind als mancher Thriller. Dies passiert fast das ganze Jahr durch und nicht nur, wenn gerade Fussballeuropameisterschaft ist. Einen Tipp für das grosse Turnier haben die Kleinen aber schon noch. Wenn man ihrem Fachwissen Glauben schenken darf, tippt man an dieser EM am besten auf Frankreich.

Mit viel Leidenschaft wird in Landquart Fussball gespielt. Bild: Christian Imhof
Christian Imhof