Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin

Nach der Hochzeit kommt die Scheidung

Kernstück der Grüscher Betriebs- gemeinschaft ist – oder war –  der gemeinsame moderne Stall  mit einem Melkroboter.
Kernstück der Grüscher Betriebs- gemeinschaft ist – oder war – der gemeinsame moderne Stall mit einem Melkroboter. Bild: Archiv P&H
Die beiden Grüscher Landwirtschaftsbetriebe von Beno und Peter Niggli sowie Daniel und Andrin Buchli haben sich am 1. Januar 2020 als Betriebsgemeinschaft das Ja-Wort gegeben. Nun wollen die beiden Betriebe wieder getrennte Wege gehen.

Vor einigen Jahren hatten sich die beiden Grüscher Landwirte Beno Niggli und Daniel Buchli Gedanken über die Zukunft und den Ausbau ihrer Betriebe gemacht. Auf Vorschlag ihrer beiden Söhne Peter und Andrin wurde dabei auch eine landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft mit gemeinsamer Infrastruktur ins Auge gefasst und mit diversen Um- und Neubauten schliesslich auch umgesetzt. Im Herbst 2019 konnte der neue Stall für 85 Kühe inklusive modernem Melkroboter als Herzstück der neuen Infrastruktur bezogen werden (diverse Medien berichteten darüber).

Hintergründe unklar

Die Zusammenführung beider Tierbestände und Betriebe habe übererwartet gut funktioniert, liessen die beiden «Ehepartner» vor der offiziellen «Hochzeit» am 1. Januar 2020 verlauten. Die Folgemonate gestalteten sich offenbar bald weniger harmonisch als die Verlobungszeit. Unterdessen haben sich die beiden Betriebe nämlich bereits wieder entschieden, getrennte Wege zu gehen. Auf die Fragen, woran die Betriebsgemeinschaft gescheitert sei und wie es mit der gemeinsamen Infrastruktur nun weitergehe, wollten sich die Betroffenen auf Anfrage nicht äussern und verwiesen auf das Amt für Landwirtschaft und Geoinformatik (ALG).

Kein Einzelfall

Die bäuerliche Trennung in Grüsch ist keine Ausnahme: «Scheidungen» kommen bei landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaften ab und zu vor. Alleine in der P&H-Region gibt es einzelne Beispiele, wo solche Ehen nicht oder nur kurz funktioniert haben. Die «Scheidungsquote» im Kanton Graubünden ist allerdings gar nicht so hoch, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Wie Daniel Buschauer, Amtsleiter des ALG, gegenüber dem P&H feststellte, wurden in den letzten viereinhalb Jahren 19 Betriebszweiggemeinschaften und Betriebsgemeinschaften gegründet, fünf davon wieder aufgelöst. Solche «Scheidungen» hätte mehrheitlich aber natürlich Gründe, wie Betriebsauflösungen, Nachfolgeänderungen oder unternehmerische Hintergründe, stellte Buschauer dazu fest. Es gebe verschiedene Formen von Betriebsgemeinschaften. Als Beispiele nannte er die eher seltene Generationengemeinschaft, die oftmals als Übergangsphase im Zusammenhang mit Nachfolgeregelungen zur Anwendung gelange und in der Regel auch gut funktioniere. Oder die Betriebszweiggemeinschaft, bei welcher einzelne Bereiche, wie beispielsweise Futterbau oder Tierhaltung, gemeinsam betrieben würden und damit noch relativ viel Eigenständigkeit bestehen bleibe. Oder eben die eigentliche Betriebsgemeinschaft mit der Zusammenlegung von Vieh, Infrastruktur etc., welche sicherlich am meisten Kompromissbereitschaft erfordere. «Ein Landwirtschaftsbetrieb ist keine Schreinerei oder Autowerkstatt mit geregelten Arbeitszeiten», verglich Buschauer. «Man ist 24 Stunden im Betrieb meist mit der ganzen Familie involviert und dementsprechend auch sehr nahe aufeinander.»

Die Auflösung von Betriebsgemeinschaften muss laut dem Amtsleiter, wie bereits die Gründung, vom ALG mittels Verfügung abgesegnet werden. Die beiden Parteien könnten dabei in der Regel Hilfe und Beratung von deren Treuhändern und natürlich auch von Spezialisten des Plantahofs in Anspruch nehmen.

M. Schnell