Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Furna
23.08.2022
23.08.2022 14:37 Uhr

«Durch die Musik kann ich herrlich abschalten»

Vreni Kuratli kam erst spät zum Schwyzerörgali.
Vreni Kuratli kam erst spät zum Schwyzerörgali. Bild: C. Imhof
Gleich bei drei Formationen, nämlich der Frauenformation «Scäragruass», der Grossformation «Wenteleschieber» und der Kapelle «Bündner Überhöckler» spielt die Musikerin Vreni Kuratli. Neben den Proben gibt die Furnerin Örgali-Unterricht und ist begeistert davon, die Freude an der Musik und dem geselligen Miteinander so spielerisch weitergeben zu können.

Schön hat sich’s die Familie Kuratli eingerichtet in ihrem Maiensäss in Scära. Während viele Räume komplett modernisiert wurden, hat sie darauf geachtet, dass das holzige und zugleich heimelige Flair beim Renovieren nicht verloren geht. Man spürt, mit wie viel Liebe die Immobilie umgebaut wurde, und nicht erst seit der Pandemie könnte man für dieses Bijou inmitten der Natur wohl ein halbes Vermögen «heuschen».

Der lange Weg zum Schwyzerörgali

Vreni Kuratli wurde 1962 geboren und wuchs in Altstätten mit acht Geschwistern auf. Da ihr Vater Organist war, spielte Musik schon immer eine wichtige Rolle im Leben der Frau. «Wir haben immer schon viel gesungen zu Hause, was mir immer sehr viel Spass bereitet hat. Doch beim Instrument hat es für mehr als die Blockflöte finanziell nicht gereicht.» Zum Schwyzerörgali sei sie erst als Erwachsene gekommen, als ihre drei Kinder Anina, Felix und Roman schon auf der Welt gewesen seien. «Ich habe dann bei Kurt Hostettler von der Musikschule Prättigau Unterricht genommen und habe ein wenig für den ‘Hausgebrauch’ gespielt.» Zu dieser Zeit habe sie hin und wieder auch mit dem inzwischen leider verstorbenen Bassgeiger «Strich-Liensch» gespielt, doch so richtig den Ärmel reingenommen habe es ihr, als sie sah, wie schnell ihr ältester Sohn Roman im Einzelunterricht bei Oswald Schaub Fortschritte machte. «Das hat mir gezeigt, wie wichtig die Freude an der Musik ist. Oswald konnte das unglaublich gut vermitteln, sodass es mich bald auch wieder gepackt hat und ich bei ihm in Landquart in den Unterricht ging.»

So klingt’s, wenn Vreni Kuratli musiziert. Bild: C. Imhof

Von der Schülerin zur Mentorin

Kuratli kommt immer ins Schwärmen, wenn sie vom Musizieren spricht. Ihre Passion sei eben mehr als ein bisschen «Hudigägeler». Eines der schönsten Erlebnisse, das ihr speziell in Erinnerung geblieben sei, sei an einem Singnachmittag im Altersheim Chur geschehen. «Ich habe darauf geachtet, dass ich alte Volkslieder ins Programm genommen habe. Eine Patientin, die so schwer dement war, dass sie eigentlich gar nicht mehr sprechen konnte, hat dann, als ich angefangen habe, plötzlich mitgesungen, was mich unheimlich berührt hat.» Solche Emotionen wollte sie auch anderen ermöglichen, weshalb sie vor drei Jahren damit begonnen hat, Schwyzerörgali zu unterrichten. «Ich bin überzeugt, dass jede und jeder das Örgali spielen lernen kann, wenn man dafür übt», ist sich die gelernte Krankenschwester sicher. Ihr Angebot floriert vor allem bei Erwachsenen. «Vielen ging es in der Jugend wie mir und sie durften von zu Hause aus kein Instrument erlernen. Ich finde, es ist nie zu spät, mit der Musik anzufangen, und wenn meine Schülerinnen und Schüler sehen, wie viel schon nach kurzer Zeit möglich ist, motiviert sie das zusätzlich.» Doch bei ihrem Unterricht gehe es nicht darum, schnell das komplette Instrument zu beherrschen. Wichtiger sei ihr die Freude am Örgeln weiterzugeben. «Durch die Musik kann ich herrlich abschalten und alle Alltagssorgen ausblenden. Es ist, als ob man richtig abtauchen und sich nur noch auf die Musik konzentrieren kann. Genau das möchte ich weitergeben.» Ausserdem eine wichtige Rolle spielt bei Vreni Kuratli das Zwischenmenschliche. «Das Zusammensein und die Geselligkeit sind das, was ich an der Musik extrem schätze. Sie kann Menschen zusammenbringen. Man könnte fast sagen, auch wenn der Begriff vielleicht ein bisschen komisch klingt, das ist Frieden oder zumindest mein Beitrag zum Frieden durch die Musik.»

Erlebnis Örgalikurs

Diese vereinenden Gedanken brachten Örgali-Vreni vor drei Jahren auch dazu, Örgalikurs-Wochenenden zu organisieren. «Ich wollte einfach, dass sich alle meine Schülerinnen und Schüler mal kennenlernen und voneinander profitieren können.» Diese Idee, bei der vom Freitag bis am Sonntag im Furner Gasthaus Hochwang logiert, gegessen und musiziert wurde, sei ein voller Erfolg gewesen. «Es ist eben schon so, je länger, man miteinander musiziert, desto eher fallen die Hemmungen und der Geist wird frei von Selbstzweifeln.» Die Rückmeldungen auf diese Wochenenden, an denen neben dem Musizieren auch neue Freundschaften geschlossen wurden, seien durchs Band positiv gewesen, weshalb sie sicher wieder mal ihre Schülerschaft zusammentrommeln und ganz nebenbei auch einen Beitrag fürs Dorfleben von Furna leisten wird. Doch erstmal hat die begeisterte Musikerin noch etwas anderes auf dem Plan, denn vor wenigen Wochen ist sie zum ersten Mal Nani geworden. Ob ihr Enkel Emilio irgendwann auch mal mit Musik Menschen zusammenbringen und für friedliche Stimmung sorgen wird, bleibt abzuwarten. Die besten Voraussetzungen dafür sind schon mal gegeben.

Christian Imhof