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Furna
24.05.2022

Erneuter Schafriss in geschützter Herde

Bild: M. Jehli
Am letzten Wochenende hat der Wolf wieder einmal im Prättigau zugeschlagen. Genauer gesagt in Furna beim Landwirt und Schafhalter Marco Jehli und zwar zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren.

Auf der Webseite des Bündner Amts für Jagd und Fischerei (ajf) ist unter der Rubrik Grossraubtiere eine Karte mit sämtlichen Grossraubtier-Beobachtungen dargestellt. Rot steht für den Wolf. Beim roten Kreis mit schwarzem Rand bei Furna steht «14. Mai 2022, Nutztierriss (sicher); Anzahl toter Tiere: 3; verletzte Tiere: 1 Schaf.» Was für viele Menschen nur ein weiterer roter Punkt auf einer Karte ist, die der Statistik und Information dient, ist für den Furner Bauern Marco Jehli und seine Familie bitterer Ernst.

Wolfsichere Weidezäune

In der Nacht von Freitag auf Samstag hat der Wolf auf «Hö Buocha» drei Schafe gerissen und eines verletzt. Die Lichtung, auf der seit fünf Tagen rund 30 weisse Alpschafe im geschützten Bereich geweidet haben, liegt rund 200 Meter vom Landwirtschaftsbetrieb der Familie Jehli, namens Ausserbodenhof entfernt. «Als Lisbeth Jehli am Samstagmorgen bei der Weide ankam, bot sich ihr ein schrecklicher Anblick», erzählt Marco Jehli auf Anfrage des P&H. «Der Wolf hatte in der Nacht drei Lämmer gerissen, wovon einem der Kopf fehlte und nur noch der hintere Teil des Körpers zu sehen war.» Im Weiteren sei ein viertes Schaf vom Wolf verletzt worden.

Laut Jehli war die Schafsherde auf der «Hö Buocha» durch ein mobiles, ein Meter zehn Zentimeter hohes Weidezaunnetz in Blau-Weiss umgeben gewesen. Am Zaun angeschlossen ein starkes Weidezaungerät, welches das Netz «zur Genüge mit Strom versorgte», wie Jehli ausführte. «Um unseren Tieren den korrekten vom Kanton geforderten Wolfsschutz zu bieten, haben wir letztes Jahr mehrere Tausend Franken in diesen sogenannt wolfsicheren Weidezaun mit Viehhütern investiert», erzählt der Schafhalter weiter und ergänzt, dass der Zaun von Stefan Geissmann, landwirtschaftlicher Berater für Kleinwiederkäuer am Plantahof in Landquart, als wolfsicher eingestuft worden sei.

Wie bei einem Tierriss üblich wurde am Samstagmorgen sofort die Wildhut alarmiert. Diese bestätigte anhand der Bissspuren, was die Familie Jehli längst ahnte, dass die Schafe dem Wolf zum Opfer gefallen waren. Auch wurde von dieser kontrolliert, ob der mobile Schaf-Zaun mit ausreichend Strom versorgt gewesen war und ordnungsgemäss funktioniert hatte. Was in Jehlis Fall ebenfalls zutraf und von Stefan Geissmann auch noch bestätigt wurde. «Äusserst erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Wildhut sicher ist, dass der Wolf, um an die Schafe zu kommen, über den Zaun gesprungen ist», betont Marco Jehli. Die von der Wildhut entnommene DNA-Probe sei zurzeit noch ausstehend. Zur Behandlung des verletzten Tieres wurde an diesem Morgen auch noch der Tierarzt hinzugezogen, der dieses mit Antibiotika behandeln musste.

Kaum Entschädigung für Mehraufwand

Ähnliche Erfahrungen mit dem Wolf hat die Familie bereits vor zwei Jahren gemacht. Beim ersten Mal habe der Wolf in der Nacht auf den 1. August auf der Alp zwei frisch geworfene Kälber geholt, erinnert sich Marco Jehli. Die gerissenen Kälber seien vom Hirten gefunden worden, der Jehli und die Wildhut daraufhin informiert habe. Sie, das heisst alle drei Männer seien damals aufgrund der Bissspuren sicher gewesen, dass es der Wolf gewesen sein müsse. «Die DNA-Probe von diesem Vorfall hat jedoch nicht eindeutig dem Wolf zugeordnet werden können, da es in jener Zeit sehr stark geregnet hat», räumt der Landwirt ein.

Im November habe dann der Wolf auf der Heimweide, die rund 100 Meter vom Ausserbodenhof entfernt liege und ebenfalls geschützt sei, ein Schaf gerissen. Bei diesem Vorfall sei auch noch hinzugekommen, dass die in Panik geratene Herde ausgebrochen sei. «Für den Mehraufwand, sei es in Form von Arbeit oder Investitionen, den wir gezwungenermassen haben, wenn wir unsere Tiere vor dem Wolf schützen wollen, oder der nach einem Wolfsriss auf uns zukommt, werden wir entweder nicht fristgerecht oder überhaupt nicht entschädigt.» Das Bauern mache so keine richtige Freude mehr. Auch könne er bei der aktuellen Wolfssituation keinem seiner drei Kinder mit gutem Gewissen empfehlen, den Hof weiterzuführen.

Bild: M. Jehli
Ladina Steinmann