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Furna
06.02.2022

«Ich habe selten so lange einen so klaren Himmel gesehen»

Bild: zVg
Die rund zwei Jahre andauernde Corona-Pandemie hat uns alle zum Denken gebracht. Wir haben gesehen, wie schnell sich die Natur erholt, sobald wir weniger fliegen, fahren und konsumieren. Doch wie wird es nach der Pandemie aussehen? Werden wir in alte Muster zurückfallen und die natürlichen Ressourcen weiter ausbeuten? Was konnten wir aus der Pandemie lernen, und was nehmen wir davon in die Zukunft mit? Milena Rominger im Gespräch mit Nadine Stadtmüller über die Folgen der Pandemie.

«Heute noch sind weniger Flugzeuge unterwegs als noch vor zwei Jahren –fällt mir auf», erzählt Nadine Stadtmüller, die oft mit ihrer Familie ihr Maiensäss hoch oben in Furna besucht. Mitten in der Natur beobachtet sie, wie sich diese in Zeiten von Corona von der Ausbeutung durch den Menschen erholt. «Heute sind wir bewusster in der Natur unterwegs und geniessen die sonnigen Tage. Wir sind dankbar für alles, was wir vor der Haustür finden. Und vor allem, weil wir da wohnen dürfen, wo andere Ferien machen. Was will man noch mehr? Wir werden uns unserer Umwelt bewusst, die aufzeigt, was entsteht, wenn wir sie weniger zerstören.»

Alles was geht

Schon immer haben Nadine und ihre Familie alles, was an Abfall anfällt, sortiert. «Es hat mich schon immer «tschuderet», was alles draussen rumliegt. Das habe ich damals schon öfter mal entsorgt, anstatt einfach liegen lassen.» Ihr Abfallsystem sei recht durchdacht. Nadine und ihr Mann sortieren Papier, Karton, Glas, Dosen, Plastik, PET, Elektronik, Metall, Druckerpatronen – einfach alles was geht. «Wir entsorgen das in Chur im Werkhof, nachdem wir lange und grosszügig gesammelt haben. Leider können wir hier nur Glas, Büchsen und PET in den öffentlichen und dafür vorgesehenen Containern im Werkhof entsorgen, weil die Müllabfuhr vom Dorf sehr selten offen hat und mit unseren Arbeitszeiten nicht kompatibel ist.»

Nadine und ihre Familie sind keine «Neu-Käufer»

«Wir kaufen alles auf Ricardo, in Brockis, auf Facebook und in den Secondhand-Kleider-Gruppen.» Zudem sei die junge Familie seit drei Jahren nicht mehr in den Ferien gewesen. «Da wir vorher schon sehr auf die Umwelt geachtet haben, hat sich umwelttechnisch nicht viel für uns verändert. Wir haben einen Garten und dort auch schon Gemüse angepflanzt. Wir haben aber schnell gemerkt, dass wir nicht die grossen Gärtner sind. Was uns jedoch gefällt, das ist, dass wir Blumen sähen können für die Bienen.» Im Garten der Familie wächst, was wachsen will. Das soll auch ein kleines Projekt mit den Kindern sein, um zu sehen, was wächst, wenn sie etwas sähen. «Die Natur nimmt sich davon, was sie braucht», sagt Nadine. Nur die Beeren würden sie mit den Vögeln teilen.

Homeoffice beibehalten

Für Nadine wurde die Zeit der Pandemie zu einer Zeit des bewussten Beobachtens. Sie achtet mehr darauf, was um sie herum passiert, wie sich die Natur erholt. Für die Zukunft wünscht sich Nadine, dass das Homeoffice – in reduzierter Form- bestehen bleibt. «Ich habe von vielen gehört, dass es funktionieren kann. Das könnte auch Familiendynamiken positiv verändern und die Verkehrsüberlastung beruhigen.»

Aus dieser Reihe werden jeweils im Abstand von einer Woche weitere Gespräche folgen. (Milena Rominger)

Milena Rominger