Durchstich Taschinasstollen: Ein Freudentag für alle
Von: ew
Der Bau des Kraftwerkes Taschinas befindet sich auf Kurs. Am letzten Donnerstag erfolgte der Durchstich des Druckstollens, durch den das Wasser vom Zusammenfluss des Cani- und Valserbaches nach Plileisch oberhalb von Seewis geführt wird. Von dort wird es dann in einer Druckleitung in die Kavernenzentrale im Burgfelsen von Solavers geleitet.
Durchstich im Taschinas-Stollen
Am 15. Juli um 16 Uhr 15 war es so weit: Der Durchstich des 3,2 Kilometer langen Druckstollens von Plileisch oberhalb von Seewis bis zum Zusammenfuss des Cani- und des Valserbaches war erfolgt, sodass die Tunnelbohrmaschine, die sich wie ein Dinosaurier durch die letzten Meter vorgearbeitet hatte, abgestellt werden konnte. Auf diesen Augenblick hatten nicht nur die Mitarbeiter der ARGE Grischa Taschinas und die Projektverantwortlichen der Repower, sondern auch die Gemeinde Seewis gewartet. Nach dem eigentlichen Durchstich dauerte es noch eine gute Viertelstunde, bis die Mannschaft, die für den letzten Vortrieb verantwortlich gewesen war, den Stollen verlassen und von ihren Kollegen mit einem Umtrunk willkommen geheissen werden konnten. Sie mussten nämlich unter der Bohrmaschine durchkriechen. Dass die Schutzpatronin der Untertagearbeiter, die Heilige Barbara, dabei nicht fehlten durfte, versteht sich von selbst.
Ein altes Vorhaben
Beim Stollendurchstich mit dabei war auch Felix Vontobel, der Stv. CEO Repower. Und selbstverständlich auch eine Delegation des Seewiser Gemeindevorstandes, wurde doch mit diesem Durchstich ein Vorhaben verwirklicht, das schon vor einem halben Jahrhundert die Seewiser beschäftigt hatte. Damals handelte es sich um das Studiensyndikat Fadära. Das Projekt mit einem Speichersee unterhalb von Fadära blieb auf der Strecke, weil die Kraftwerkbetreiber damals auf den Atomstrom setzen. Atomstrom sei viel billiger als der Strom aus Wasserkraft, hiess es. Mitarbeiter und Gäste waren von Plileisch per Helikopter an den Zusammenfluss des Cani- und Valserbaches geflogen worden. Dort, wo anfänglich ein Staubecken geplant war, steht heute ein so genanntes Tiroler Wehr. Das Wasser wird auf einer Höhe von 1028 m.ü.M. gefasst und über den 3,2 Kilometer langen Stollen bis zum Standort Plileisch geführt. Von dort aus wird das Wasser in einer erdverlegten 1430 Meter langen Druckleitung zur Kavernenzentrale im Burgfels der Ruine Solavers (640 m.ü.M.) geleitet und dort genutzt. Gerechnet wird mit einer jährlichen Stromproduktion von rund 41 GWh. Man kann davon ausgehen, dass der Zeitplan eingehalten und das Kratwerk Taschinas im Jahr 2011 in Betrieb genommen werden kann.
Eine Frau als Chefin
Wie von Bauleiter Ernst Sonderegger zu erfahren war, konnten den die Arbeiten, die im Spätherbst 2008 aufgenommen worden waren, bislang ohne gravierende Zwischenfälle durchgeführt werden. Für die Arge Grischa Taschinas - einer Arbeitgemeinschaft aus den Bauunternehmungen Implenia, LVG Bellinzona, Bordoli Erben, Pragg-Jenaz und Zindel, Maienfeld sind 46 Mitarbeiter im Einsatz. Gearbeitet wird in zwei Schichten je acht Stunden und zwar fünf Tage die Woche. Diese 46 Mitarbeiter rekrutieren sich aus sechs Nationalitäten. Baustellenchef ist der Valser Heinz Berni. Bauführerin für die Untertagarbeiten, das heisst für den Stollenbau ist seit April 2009 Lena Föhrenbach. Die 27-jährige Lena Föhrenbach ist Bauingenieurin, stammt aus Freiburg i. B. und ist eine der wenigen Frauen, die im Untertagbau im Einsatz sind. Sie wohnt in Pfäfers, ist jeden Tag um 6 Uhr auf der Baustelle und rund um die Uhr erreichbar. Auf die Frage, ob sie als Frau keine Probleme habe in einer ausgesprochenen Männerdomäne, meinte sie: "Warum sollte ich?" Und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die Untertagearbeiter auf ihre Chefin stolz sind.