Der Worte sind genug gewechselt...
Von:ew
Wie der Vorsteher des Amtes für Jagd und Fischerei, Georg Brosi, anlässlich einer Medienorientierung vom vergangenen Freitag im Restaurant Alpina in Schiers ausführte, hat Regierungsrat Mario Cavigelli der Umsetzung des Notfütterungskonzeptes im Jagdbezirk 11 zugestimmt. Seit Ende Woche stehen 20 Tonnen Heu zur Verfügung.
Medienorientierung zur Umsetzung des Notfütterungskonzeptes. Bild: E. Walser
Das aus dem Vorarlberg eingeführte Heu ist in Anbetracht der Tatschache, dass im Prättigau rund 1200 Hirsche überwintern, nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. Wie Wildhüter-Bezirkschef Heinz Guler ausführte, habe er noch nie einen derartigen Winter erlebt. Die gewaltigen Schneemengen hätten das Hirschwild in tiefere Lagen getrieben. «Oberhalb von 1200 Meter sind zurzeit keine Hirsche mehr anzutreffen», so Guler. Das habe zur Folge, dass sich das Schalenwild je länger desto mehr in Nähe der Höfe und Dörfer aufhalte. Erst kürzlich habe er eine Hirschkuh, die sich in Schiers verirrt habe, schiessen müssen. Auch wenn die Notmassnahmen jetzt gezielt umgesetzt werden, müsse man mit überdurchschnittlichen Fallwildzahlen rechnen. Das bereit gestellte Heu wird in Absprache mit der Wildhut und dem Bezirkshegeobmann Lorenz Casutt an den dezentralen Futterstellen eingesetzt. Private, die in den vergangenen Wochen das Wild (aus Mitleid!) mit eigenem Heu gefüttert haben, können von dem bereit stehenden Heu Gebrauch machen. Für die Verteilung des Heus und die Versorgung der einzelnen Futterstellen sind die Jagdkandidaten und die Jäger zuständig. Um die Jagdprüfung absolvieren zu können, muss ein Kandidat 50 Hegestunden geleistet haben.
Ökologische Strategie
Von den aussergewöhnlichen Schneefällen am stärksten betroffen sind, nach Auskunft von Jagdinspektor Georg Brosi, zurzeit die obere Surselva, das Prättigau, Mittelbünden und das Unterengadin. Bei einem Schalenwildbestand von rund 60'000 Stück müssten sich Notmassnahmen auf die heikelsten Situationen beschränken. Sie sollen für das Wild in Notsituationen eine Entlastung des Nahrungsengpasses bewirken, mit dem Ziel, die Fallwildzahlen zu minimieren. Im Kanton Graubünden wird das Wild seit 1985 im Winter nicht mehr gefüttert. Vielmehr sollen die Bestände durch Bejagung den Wintereinständen angepasst werden. «Graubünden verfolgt mit dieser Regulation eine ökologische Strategie», so Brosi. Zudem gibt es Wildruhezonen, in denen sich das Wild nicht durch Flucht vor Freizeitsportlern verausgaben muss und so seinen Stoffwechsel getrost auf Winterruhe drosseln kann und eine natürliche Verteilung der Tiere ermöglicht.
«Sind nicht allein auf der Welt»
In Graubünden gibt es 250 Wildruhezonen. Für Hegeobmann Lorenz Casutt sind diese in Anbetracht der gewaltigen Schneemengen für das Wild überlebenswichtig. «Jeder, der das Wild derzeit stört, sollte sich Gedanken machen, dass er nicht alleine auf der Welt ist», meint er. Damit die Leute sensibilisiert werden, wurden in den letzten Tagen auch Plakate aufgehängt, die auf die Notsituation des Wildes aufmerksam machen, und auf ihr Bedürfnis nach absoluter Ruhe. Sollte sich die Schneesituation weiter verschlimmern, werden zudem vereinzelt Holzschläge – wie diese Woche bereits in Fideris – vorgezogen. Zudem wird Prossholz geschlagen, an dem sich das Wild etwas stärken kann. Für Ueli Bühler, Leiter des Bereichs Waldkökologie beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden, ist klar, dass auch von ihrer Seite etwas für das Wild getan werden muss. Allerdings wird auch hier eine ganzjährige Strategie gefahren, die in der Not punktuell ergänzt wird.