Mehr Raum für die Landquart
Von: hw
Die Revitalisierung der Landquart im Abschnitt zwischen Schiers und der Rheinmündung hat zum Ziel, den Hochwasserschutz nach differenzierten Schutzzielen und mit verringertem Pflege- und Unterhaltsaufwand zu gewährleisten. In den letzten beiden Wintern wurden die bedeutenden Teilprojekte Gerinneaufweitung Partschils und die Aufweitung Schierser Sand umgesetzt.
Für die Ausweitung Partschils wurden 14'500 Kubikmeter Material abgetragen und zur Bachsohlenhebung eingeschüttet bzw. als Koffermaterial für die Forststrasse verwendet.
Die Landquart ist einer der grössten Zuflüsse des Alpenrheins. Vor 150 Jahren prägten zwischen der Schlucht in der Klus und Schiers natürliche breite Schwemmflächen des Flusses das Bild der Talsohle. Eine überschwemmungssichere Besiedlung und Nutzung wurde in der Folge zwischen 1912 und 1918 durch die vollständige Kanalisierung des Flusses mit massiven Uferverbauungen erreicht. Dadurch und verstärkt durch geschiebereduzierende Wildbachverbauungen sowie Kiesentnahmen in Seitenbächen wurde eine massive Sohlenerosion verursacht. Dies bedingte den Bau zahlreicher Absturzbauwerke zur lokalen Stabilisation.
Das Revitalisierungsprojekt
Anfangs des letzten Jahrzehnts waren die insgesamt 19 Absturzbauwerke sanierungsbedürftig. Ausserdem wurde die Fischwanderung durch diese Querbauten stark behindert. Im Bündner Rhein und seinen Zuflüssen lebten nur noch neun der ursprünglich 20 heimischen Fischarten. «Die sieben Meter hohe Klussperre stellte für die Fische ein unüberwindbares Hindernis dar», wie Hanspeter Thöny, verantwortlicher Bauleiter für die Gemeinde Schiers, erklärt. Der mit wenigen Ausnahmen monotone Flusslauf bot einen wenig attraktiven Lebensraum, wie dem technischen Bericht des Kantonalen Tiefbauamtes zum Revitalisierungsprojekt zu entnehmen ist. Ausgearbeitet wurden die einzelnen Projektobjekte von der Firma Hunziker, Zarn & Partner in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Wasserbau des Tiefbauamtes, welches die Projektleitung inne hat, und weiteren kantonalen Fachstellen.
Revitalisierungsmassnahmen
Das gesamte Projekt befindet sich auf Territorium von sechs Gemeinden: Schiers, Grüsch, Seewis, Igis, Malans und Maienfeld. Es umfasst von Schiers bis zur Einmündung in den Rhein insgesamt 13 Revitalisierungsmassnehmen, fünf grössere Flussraumaufweitungen, die Reaktivierung einer Aue, eine Fischtreppe an der Klus und die Ablösung von mehreren Sohlenschwellen durch aufgelöste Blockrampen, wobei diese die Fischgängigkeit sicherstellen. Die Projektgenehmigung durch die Regierung erfolgte am 15.11.2005.
Gerinneaufweitung Partschils
Mehrere Teilprojekte sind abgeschlossen. Im Winter 2008 wurde Objekt sieben, die Gerinneaufweitung Partschils umgesetzt. Mit der Verbreiterung des Flusses um bis zu 35 Meter wurde die Belastung der Sohle reduziert. Die linksufrige Forststrasse wurde bergwärts verlegt, wodurch sich zur Landquart ein Pufferstreifen ergab, auf eine Sicherung des linken Ufers konnte dadurch verzichtet werden, wie der örtliche Bauleiter, Thöny, erläutert. Die Geschiebestösse der Seitenbäche können sich jetzt bis in die Landquart ergiessen. Mit dem Bau von vier Strukturelementen aus Blocksteinen und Baumstämmen wurde zudem die Belastung des rechten Ufers vermindert. «Die Strukturelemente entfalten bereits ihre gewünschte Wirkung», stellt der Bauleiter fest. Für die Gerinneaufweitung mussten 6'636 QuadratmeterJungwald mit einem Volumen von 148.48 Kubikmetern gefällt werden. Stöcke und Äste wurden im Wald deponiert, das anfallende Nutzholz wurde durch den Forstbetrieb der Gemeinde Schiers verwertet. Die Gesamtkosten betrugen 511'034 Franken, wovon 507’6232 beitragsberechtigt waren.
Gerinneaufweitung Schierser Sand
Durch eine linksufrige Gerinneaufweitung auf ca. 900 Metern Länge wurde mit Objekt acht die ökologisch und landschaftlich wertvollste Revitalisierungsmassnahme des ganzen Projekts realisiert. »Die Sohle der Landquart konnte hier auf bis zu 50 Metern verbreitert werden. Der bestehende Forstweg wurde bergwärts verlegt. Dadurch ergibt sich zur Landquart ein Pufferstreifen und es konnte auf eine Sicherung des linken Ufers verzichtet werden«, erläutert Fredi Roffler vom Ingenieurbüro Donatsch, der die örtliche Bauleitung für dieses Projekt innehatte, das zwischen April 2009 bis April 2010 umgesetzt wurde. In diesem Bereich kann sich die Landquart nun frei entfalten und ausdehnen. Das rechte Ufer wurde punktuell verstärkt und durch den Bau von vier Strukturelementen konnte die Belastung des rechten Ufers auch hier vermindert werden. Im Übergang von der Gerinneaufweitung Schierser Sand zu Objekt neun, der Schwellensanierung Prada, wurde ein Hochwasserschutzdamm errichtet, der eine Unterspülung des Rampenkörpers verhindern soll. Für den Damm sowie für die punktuelle Sicherung des rechten Ufers wurden 7900 Tonnen Blocksteine verbaut. Auch für die Gerinneaufweitung Schierser Sand mussten 44'000 Quadratmeter Wald gerodet werden. «Der Wald wird jedoch in den nächsten Jahren nachwachsen und die Landquart erhält dank der Revitalisierungsmassnahmen ihre natürliche Dynamik zurück. Es wird Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen», ist Thöny überzeugt.
Finanzierung
Zur Realisierung des gesamten Projekts wurde im Jahre 2005 von Gesamtkosten in der Höhe von knapp 10 Millionen Franken ausgegangen. Bund und Kanton finanzieren die Revitalisierungsmassnahmen mit Beitragen zwischen 55 und 58 Prozent. Nebst Bund und Kanton unterstützt der Fonds Landschaft Schweiz die im Revitalisierungsprojekt enthaltenen Gerinneaufweitungen mit einem namhaften Betrag. Durch die entstandenen Kiesbänke und flachen Ufer wird die Landquart zum Erholungs- und Erlebnisraum.